ING Groep Aktie: Barclays legt beim Kursziel nach

Symbolbild, KI-generiert

ING meldet für das dritte Quartal 2026 weniger Gewinn als erwartet; Kapitalrückgabe und bestätigter Ertragsausblick stützen die Einschätzung.

Auf einen Blick:
  • Barclays setzt Kursziel auf 35 Euro
  • Quartalsgewinn bleibt unter Analystenerwartungen
  • ING kündigt Kapitalrückgabe bis 1,9 Milliarden Euro an
  • Rund 400 Stellenabbau im Firmenkundengeschäft geplant

Barclays sieht nach den Quartalszahlen mehr Potenzial für ING Groep. Das Analysehaus hat heute sein Kursziel auf 35 Euro angehoben und die Einstufung „Overweight“ bestätigt. An der Börse überwiegt dagegen die Enttäuschung über das Ergebnis: Die Aktie verliert heute -3,2%. Damit stehen sich eine optimistische Analysteneinschätzung und eine negative Marktreaktion gegenüber.

Die unterschiedliche Bewertung lässt sich an den Ergebnissen erklären. ING wächst im Zins- und Provisionsgeschäft und gibt weiteres Kapital an die Aktionäre zurück. Höhere Kosten und die Kreditrisikovorsorge verhindern jedoch, dass dieses Wachstum vollständig beim Gewinn ankommt.

Analysten setzen auf weiteres Potenzial

Barclays hatte das Kursziel zuvor bei 34,10 Euro angesetzt. Die Anhebung auf 35 Euro fällt damit moderat aus. Eine konkrete Begründung für diesen Schritt wurde nicht genannt; die bestätigte Einstufung signalisiert aber eine weiterhin positive Einschätzung nach der Ergebnisvorlage.

Auch Citi hält an seiner Kaufempfehlung fest. Das Haus bewertet die angekündigte Aktionärsvergütung als positive Überraschung, sieht bei den laufenden Gewinnen jedoch keinen entsprechenden Aufwärtsschub. Die Analysten erwarten weitgehend stabile oder leicht sinkende Gewinnschätzungen des Marktes.

Citi zufolge lag der Vorsteuergewinn rund 6 Prozent unter dem Konsens. Als Belastungen nennt das Haus höhere Betriebskosten und eine Kreditrisikovorsorge von 403 Millionen Euro. Das Kursziel bleibt bei 36 Euro.

Beide Häuser halten damit an positiven Anlageurteilen fest. Zumindest bei Citi beruht dies allerdings nicht auf der Erwartung deutlich steigender Gewinnschätzungen. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Eine attraktive Kapitalrückgabe und ein überzeugendes operatives Ergebnis sind nicht dasselbe.

Kapitalrückgabe federt Ergebnisenttäuschung ab

ING erzielte im dritten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 1,85 Milliarden Euro. Damit blieb die Bank unter der zuletzt genannten Analystenerwartung von gut 2 Milliarden Euro. Das Ergebnis stieg zwar gegenüber dem Vorjahr, erfüllte aber nicht die Erwartungen des Marktes.

Die Bank zeigt zugleich Wachstum im Kundengeschäft. Höhere Zinserträge und steigende Gebühreneinnahmen stützen die Ertragsentwicklung. Der Gewinnrückstand gegenüber den Prognosen ist daher nicht mit einem generellen Rückgang des Geschäfts gleichzusetzen.

Das angekündigte Ausschüttungspaket umfasst bis zu 1,9 Milliarden Euro. Davon entfallen bis zu 1,65 Milliarden Euro auf Aktienrückkäufe und 250 Millionen Euro auf eine zusätzliche Barausschüttung.

Die Barzahlung ist für Januar 2027 vorgesehen. Nach Einschätzung von Citi übertrifft insbesondere der Rückkauf die Markterwartung: Der Konsens hatte bei 1,25 Milliarden Euro gelegen. Die Rückgabe überschüssigen Kapitals liefert damit einen konkreten Gegenpol zur Gewinnenttäuschung.

Umbau soll Kostenbasis entlasten

Parallel plant ING den Umbau des Firmenkundengeschäfts. Weltweit sollen rund 400 Stellen entfallen. Für das vierte Quartal 2026 ist dafür eine Rückstellung von 175 Millionen Euro vorgesehen.

Der Umbau belastet somit zunächst das Ergebnis, bevor die erhofften Entlastungen greifen. Die geplanten Einsparungen sind noch keine realisierten Ergebnisbeiträge und können die aktuelle Gewinnverfehlung nicht unmittelbar ausgleichen.

Ab 2028 erwartet ING jährliche Einsparungen von rund 75 Millionen Euro. Den Ertragsausblick für 2026 von mehr als 24,5 Milliarden Euro hat die Bank bestätigt.

Die heutige Kurszielanhebung steht damit für Zuversicht trotz operativer Schwächen. Für die weitere Bewertung wird entscheidend sein, ob ING das Geschäftswachstum stärker in Gewinn übersetzen kann. Die Kapitalrückgabe stützt die Anlageargumentation bereits; bei Kosten und Risikovorsorge bleibt die Ergebnisvorlage weniger überzeugend.

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