Chinas Oberstes Volksgericht hat ein Verkaufsverbot für Infineons Galliumnitrid-Produkte auf dem chinesischen Festland bestätigt. Der Patentstreit mit dem Wettbewerber Innoscience ist damit vorerst entschieden — zu Ungunsten des deutschen Halbleiterherstellers. Für Infineon bedeutet das eine erzwungene Neuausrichtung in einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der Branche.
GaN-Verbot: Was auf dem Spiel steht
Galliumnitrid-Halbleiter sind gefragte Bauteile. Sie stecken in Schnellladegeräten, Datenzentren und industriellen Hochleistungsanwendungen. Das Urteil vom 14. Juni 2026 sperrt Infineon aus diesem Segment in China aus. Wie groß der Umsatzschaden konkret ausfällt, ist noch offen. Klar ist: Infineon muss seine China-Strategie für GaN grundlegend überdenken.
Neue Fabrik, starke KI-Nachfrage
Der Rückschlag trifft ein Unternehmen, das gleichzeitig auf Expansionskurs ist. In Dresden eröffnet Infineon am 2. Juli 2026 seine neue „Smart Power Fab“ — drei Monate früher als geplant. Das Werk kostet rund 5 Milliarden Euro. Etwa 1 Milliarde Euro davon stammt aus dem European Chips Act. Die Fabrik soll Leistungshalbleiter für KI-Rechenzentren, Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien produzieren.
Der Markt, den Infineon damit bedient, wächst rasant. Goldman Sachs erwartet, dass die globalen KI-Infrastruktur-Investitionen 2026 über 700 Milliarden US-Dollar erreichen. Bis 2027 könnten es zwischen 920 Milliarden und 1,4 Billionen US-Dollar sein.
Das positive Branchenklima zeigt sich auch bei Analysten. Die Bank of America stufte Intel am 11. Juni von „Underperform“ auf „Buy“ hoch und setzte das Kursziel auf 135 US-Dollar. STMicroelectronics erhielt am 10. Juni ebenfalls eine Hochstufung auf „Buy“ mit einem Kursziel von 86 Euro.
Aktie mit starker Jahresperformance
Die Infineon-Aktie schloss am Freitag bei 79,66 Euro — ein leichtes Plus von 0,39 Prozent. Auf Jahressicht hat das Papier seinen Wert mehr als verdoppelt: Das Plus seit Januar beträgt rund 108 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro Anfang Juni ist die Aktie aktuell etwa elf Prozent entfernt.
Das GaN-Verbot belastet, aber der strukturelle Rückenwind durch KI und die vorzeitig fertige Dresdner Fabrik dürften das Bild für Investoren prägen. Ob Infineon den Patentstreit mit Innoscience anficht oder das GaN-Geschäft in China neu aufstellt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
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