Infineon zieht sich aus Mexiko zurück — zumindest schrittweise. Der Münchner Chipkonzern will seinen Backend-Fertigungsstandort im mexikanischen Tijuana in den kommenden Jahren auf andere Standorte verlagern. Eine Entscheidung, die weniger über neue Wachstumsfantasie spricht als über die konsequente Neuordnung des Fertigungsnetzwerks.
Wafer-Sägen, Assembly, Tests — alles auf dem Prüfstand
Der Standort in Tijuana, 1973 von International Rectifier gegründet und 2015 mit der Übernahme zu Infineon gekommen, übernimmt heute Backend-Aufgaben: Wafer-Sägen, Assembly und Tests sowie IT- und HR-Servicecenter. Mehrere Hundert Menschen arbeiten dort.
Infineon begründet den Schritt mit dem Ziel, Skalierbarkeit, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Für Beschäftigte, Kunden und Lieferanten soll es zunächst keine unmittelbaren Änderungen geben — alle Produkte würden während der Umstellung weiterhin unterbrechungsfrei geliefert, so das Unternehmen. Für das Gebäude prüft Infineon Optionen, darunter einen möglichen Verkauf.
Tijuana folgt Bangkok
Der Schritt ist kein Einzelfall. Im Februar 2026 hatte Infineon bereits seinen Backend-Standort im thailändischen Nonthaburi an Malaysian Pacific Industries verkauft und zeitgleich eine langfristige Liefervereinbarung mit MPI gesichert. Das Muster ist erkennbar: Eigene Backend-Kapazitäten werden selektiv abgegeben, strategische Partnerschaften sichern die Versorgung.
Infineon beschreibt sein Fertigungsmodell als hybride Struktur aus eigener Produktion und externen Partnerschaften. Wichtige Backend-Standorte für internationale Märkte liegen laut Unternehmen in den USA, Europa und Asien.
Zahlen zeigen starke operative Dynamik
Die Tijuana-Meldung fällt in eine Phase, in der Infineon operativ Fahrt aufnimmt. Im zweiten Geschäftsquartal 2026 erzielte der Konzern einen Umsatz von 3,812 Milliarden Euro bei einer Segmentergebnis-Marge von 17,1 Prozent. Für das dritte Quartal peilt Infineon rund 4,1 Milliarden Euro Umsatz an.
Das Jahresziel wurde angehoben: Statt eines moderat steigenden Umsatzes erwartet Infineon nun einen deutlich steigenden Umsatz gegenüber dem Vorjahr, bei einer Segmentergebnis-Marge von rund 20 Prozent. Ab dem vierten Quartal 2026 reduziert der Konzern seine Geschäftssegmente von vier auf drei.
Die Aktie reagierte am Donnerstag mit einem Minus von 4,6 Prozent auf 83,55 Euro — einen Tag nach dem frischen 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von über 118 Prozent.
Die Tijuana-Verlagerung nennt kein konkretes Einsparvolumen und liefert keinen kurzfristigen Finanzbeitrag. Ob das Vorhaben gelingt, hängt letztlich daran, ob Infineon die schrittweise Migration ohne Lieferunterbrechungen umsetzt — genau das, was der Konzern seinen Kunden versprochen hat.
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