Die Aktie von Infineon hat sich dem historischen Allzeithoch aus dem Jahr 2000 genähert. Seit Ende März 2026 legte der Kurs um über 100 Prozent zu – getrieben von der KI-Nachfrage nach Power-Chips.
Doch ausgerechnet jetzt kommt eine Gegenstimme von der Analystenseite.
MWB Research stufte die Aktie von „Halten“ auf „Verkaufen“ herab. Zwar hob das Haus das Kursziel von 58 auf 60 Euro an. Die Begründung: Der Markt habe die positiven Entwicklungen bereits eingepreist, die Bewertung des gesamten Chipsektors sei ambitioniert.
Am Mittwoch schloss die Aktie bei 76,85 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 77,20 Euro vom 26. Mai liegt nur 0,45 Prozent darüber. Der RSI von 33,3 signalisiert bereits eine überverkaufte Lage – die Kursdynamik hat sich deutlich abgekühlt.
Operativ läuft es rund
Infineon bestätigte kürzlich eine angehobene Jahresprognose. Der Umsatz soll im laufenden Geschäftsjahr bis September 2026 auf über 16 Milliarden Euro steigen, die Segmentergebnis-Marge auf rund 20 Prozent.
Der Treiber bleibt die anhaltend hohe Nachfrage nach Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren.
Parallel strafft der Konzern seine Struktur. Ab dem vierten Quartal reduziert Infineon die Geschäftsbereiche von vier auf drei: Automotive, Power Systems und Edge Systems. Das Management verspricht sich kürzere Entscheidungswege und mehr Fokus auf softwaredefinierte Fahrzeuge, Elektromobilität und IoT.
Europa-Projekt gestartet
Infineon übernimmt die Führung des EU-Flaggschiffprojekts „Moore4Power“. Das Volumen: 91 Millionen Euro. 62 Partner aus 15 Ländern arbeiten zusammen, darunter ABB und Airbus. Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger Leistungselektronik für Industrie, Mobilität und Energieanwendungen.
Vom 9. bis 11. Juni präsentiert sich Infineon auf der Fachmesse PCIM Europe in Nürnberg. Im Fokus stehen Lösungen für KI-Rechenzentren, Robotik und Elektromobilität – mit Silizium-, Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Halbleitern.
Ob die operative Stärke ausreicht, um die Bewertungslücke zum Analysten-Kursziel von 60 Euro zu schließen, bleibt abzuwarten. Die Messepräsenz und anhaltende KI-Nachfrage liefern kurzfristig jedoch weiter Stoff für Optimismus.
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