Infineon-Aktie: Das muss man nicht verstehen!

Die Aktie von Infineon beendete den August deutlich im Minus. Daran änderten weder gemeldete Rekordzahlen etwas noch hohe Kursziele durch Analysten.

Auf einen Blick:
  • Die Infineon-Aktie hat einen wahrlich ernüchternden August an der Börse erlebt
  • Dabei hatte der Chip-Hersteller das erfolgreichste Quartal der Geschichte gemeldet
  • Die Analysten hatten allesamt gute Prognosen ausgegeben, ohne positiven Effekt
  • Die Aktie notiert aktuell gut ein Drittel unter ihrem Höchststand von Ende Juni

Liebe Leserin, lieber Leser,

zwischen Mitte März und Ende Juni war die Aktie von Infineon nicht aufzuhalten. Ausgehend von knapp 40 Euro hatten sich die Papiere des deutschen Halbleiterherstellers bis auf 88,83 Euro im Wert mehr als verdoppelt. Doch seitdem ist die Luft irgendwie raus. Den August beendete die Infineon-Aktie bei nur noch 56,29 Euro. Daran änderten beeindruckende Quartalszahlen vor knapp drei Wochen genauso wenig wie ausnahmslos wohlmeinende Analystenstimmen. Verstehen muss man das nicht.

Infineon meldetete Rekord-Quartalszahlen

Denn laut Medienberichten hatte Infineon mit Erlösen von 4,172 Milliarden Euro das umsatzstärkste Quartal der Firmengeschichte erlebt, das KI-Geschäft wuchs zweistellig und der Auftragsbestand liegt bei rund 30 Milliarden Euro. Die Bruttomarge erreichte laut boerse.de 40,8 Prozent, für das Schlussquartal stelle der Halbleiterkonzern rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht. Und es soll so weitergehen:

  • Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet Infineon demnach mit rund 16,3 Milliarden Euro Erlös, was einem Wachstum von 11 Prozent entspricht
  • Der Mittelzufluss soll bei 1,85 Milliarden Euro liegen, gleichzeitig werden 2,7 Milliarden Euro insbesondere die Fertigung in Dresden investiert

Berstein Research sieht fast 80 Prozent Kurspotenzial

Das US-Analysehaus Bernstein Research hat all das ganz offensichtlich überzeugt: David Dai hatte die Einstufung für die Infineon-Aktie nach den Zahlen zum dritten Geschäftsquartal auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 102 Euro belassen. Dies entspricht einem Aufwärtspotenzial von knapp 80 Prozent.

Die Begründung: Der im Vergleich zum Vorquartal um 5 auf 30 Milliarden Euro gestiegene Auftragsbestand spiegele die Investitionen der Kunden in Künstliche Intelligenz wider, schrieb David Dai laut finanzen.net. Auch die Prognosen des Chip-Herstellers für die Preise seien stark, so die positive Einschätzung des Analysten.

Kein Infineon-Kursziel liegt unter 64 Euro

Auch andere Beobachter sehen das Unternehmen aus in Neubiberg (Landkreis München) auf dem richtigen Weg. Das verdeutlichen die Prognosen aus dem August, die auf finanzen.net gelistet sind.

  • Goldman Sachs: 91,00 Euro, +60,35%
  • UBS: 64,00 Euro, +12,78%
  • Jefferies: 96,00 Euro, +69,16%
  • Berenberg Bank: 100,00 Euro, +76,40%

UBS mit der vorsichtigsten Prognose

Will heißen: Selbst die schweizer UBS, das vorsichtigste aller Häuser, sieht die Infineon-Aktie derzeit als unterbewertet an. Analyst Francois-Xavier Bouvignies hatte das Kursziel nach Quartalszahlen von 61 auf 64 Euro angehoben, die Einstufung allerdings auf „Neutral“ belassen. Trotz der weiter starken Nachfrage im KI-Bereich seien die Zahlen hinter den Markterwartungen zurückgeblieben, schrieb er. Der Grund dafür dürfte ein weniger günstiger Profitabilitätsausblick, bedingt durch den wachsenden Wettbewerbsdruck in China, gewesen sein.

Die Privatbank Berenberg hingegen sieht die Aktie von Infineon erst mit 100 Euro fair bewertet. Die vom Chiphersteller avisierte Segmentmarge im vierten Geschäftsquartal sei niedriger als erwartet und für die Investoren mithin eine Enttäuschung, schrieb Tammy Qiu nach dem Quartalsbericht. Dies gelte erst recht nach guten Nachrichten von Herstellern analoger Halbleiter. Dennoch erkennt er weiteres Aufwärtspotenzial von mehr als 70 Prozent.

Infineon-Aktie gut ein Drittel unter Höchststand

Das durchschnittliche Kursziel für Infineon liegt laut marketscreener.com aktuell bei immerhin 85,26 Euro und damit mehr als 50 Prozent über dem aktuellen Kursstand. Die Anleger indessen haben anders entschieden, den August beendete die Infineon-Aktie mit einem Minus von knapp neun Prozent.

Die gute Nachricht: Damit hat das Unternehmen im zurückliegenden Jahr seinen Börsenwert noch immer um gut 60 Prozent erhöht. Die schlechte: Seit ihrem Höchststand Ende Juni, es ist lediglich gut zwei Monate her, hat die Aktie mehr als ein Drittel abgegeben.

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