Nach dem heftigen Ausverkauf der vergangenen Tage wagen sich Anleger bei Chipwerten wieder an den Markt. Die Erholung, die in Asien mit einem Kurssprung des koreanischen Leitindex Kospi begann, schwappt am Freitag auch nach Europa über — und erfasst dabei auch Infineon.
Erholung nach kräftiger Korrektur
Auf der Handelsplattform Tradegate legt die Infineon-Aktie rund 1,8 Prozent zu. Das klingt nach wenig, ist aber ein deutliches Signal nach der Talfahrt der vergangenen Woche: Vom Rekordhoch aus hatte das Papier zwischenzeitlich rund 15 Prozent verloren. Ausgelöst hatten den Rückschlag Sorgen vor einem Überangebot an Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz, nachdem Pläne von Meta Platforms für ein eigenes Cloud-Geschäft bekannt wurden. Die Erholung fällt in Deutschland moderater aus als in Südkorea, wo Titel wie SK hynix zweistellig zulegten — ein Hinweis darauf, dass auch die vorherige Korrektur hierzulande weniger scharf ausgefallen war.
Großanleger stockt auf
Parallel zur Kurserholung meldet Morgan Stanley eine Aufstockung ihrer Infineon-Position. Die US-Bank überschritt am 26. Juni die Meldeschwelle und hält nun kombiniert aus Aktien und Finanzinstrumenten 4,7 Prozent der Stimmrechte, nach zuvor 4,17 Prozent. Ein Signal, das in der aktuellen Marktlage zumindest zeigt: Große institutionelle Adressen bauen ihr Engagement in dem Papier weiter aus, statt sich zurückzuziehen.
Fundament bleibt intakt
Unter der kurzfristigen Nervosität liegt eine solide operative Geschichte. Erst kürzlich ging in Dresden die neue Smart Power Fab in Betrieb — mit rund 5 Milliarden Euro die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte, fertiggestellt drei Monate früher als geplant. Rund 1.000 neue Stellen entstehen am Standort, die dortige Kapazität verdoppelt sich.
Auf der Analystenseite bleibt das Bild überwiegend positiv. Deutsche Bank bestätigte ihr Buy-Rating, Barclays, Jefferies und Bernstein sehen Kursziele bis 102 Euro. Vereinzelt mahnt allerdings UBS zur Vorsicht und verweist auf Risiken im klassischen Kerngeschäft, sollte die KI-Fantasie zu stark im Vordergrund stehen. Operativ untermauert Infineon die Story: Im zweiten Geschäftsquartal wuchs der Umsatz um 6 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte deutlich zu.
Charttechnisch hat sich die Überhitzung der vergangenen Wochen etwas gelegt — der RSI ist unter die Marke von 70 zurückgefallen. Im Bereich zwischen 50 und 65 Euro sehen Chartbeobachter eine mögliche Unterstützungszone, an der sich in den kommenden Handelstagen entscheiden dürfte, ob die Erholung trägt oder die angedeutete Topformation doch noch Bestand hat.
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