Nach dem Ausverkauf vom Donnerstag sucht Infineon Halt. Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit April, am Freitag setzt eine Gegenbewegung ein. Der Auslöser des Einbruchs liegt in Washington, die Antwort darauf möglicherweise in München.
Wahlausgang bremst KI-Fantasie
Der klare Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat die Halbleiterbranche am Donnerstag erschüttert. Anleger fürchten, dass die neuen Mehrheiten in Senat und Kongress den Bau von KI-Rechenzentren verlangsamen. Das nährt Zweifel, ob sich die gewaltigen Investitionen schnell genug auszahlen.
Die Folgen waren drastisch. Der Nasdaq 100 gab um 6,4 Prozent nach, so viel wie seit dem Corona-Crash 2020 nicht mehr. Der Halbleiterindex SOX brach um 12 Prozent ein. Am härtesten traf es die Ausrüster, weniger die Betreiber der Infrastruktur.
Der Dax rutschte zum Handelsstart am Freitag um rund 2 Prozent auf 25.717 Punkte ab. Erst am Donnerstagmittag hatte er mit 26.685 Punkten ein Rekordhoch markiert.
Infineon fängt sich
Gegen diesen Sog stemmt sich Infineon. Am Vormittag legte die Aktie 3,1 Prozent zu, im weiteren Verlauf zeitweise noch deutlich mehr. Auch Siltronic und Suss Microtec erholen sich, nachdem sie tags zuvor zwischen 8 und 14 Prozent verloren hatten.
Viele Marktteilnehmer bezweifeln, dass die Politik den KI-Boom stoppen kann. Die USA wollen im Wettlauf mit China vorn bleiben, die Investitionen schaffen zudem Jobs und Steuereinnahmen. Strengere Regulierung gilt dennoch als wahrscheinlich. Manche Beobachter sprechen von einem reinigenden Gewitter, nicht vom Ende des Megatrends. Durch die Verluste sind viele Titel wieder günstiger bewertet.
Für Infineon kommt ein eigener Termin hinzu. Am 10. November legt der Konzern seine Jahreszahlen vor. Sie liefern die erste harte Datenbasis, ob die Nachfrage aus dem KI-Umfeld trägt. Die UBS sieht das Kursziel bei 49,32 Euro, gut 5 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Ob die Erholung hält, dürfte sich vor allem an zwei Punkten entscheiden: an den Aussagen aus Washington zur Regulierung und am Ausblick, den das Management am 10. November präsentiert.
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