Von knapp 90 Euro im Juni auf zeitweise unter 49 Euro: Die Infineon-Aktie hat Anleger kräftig durchgeschüttelt. Jetzt berappelt sie sich, und zwei Nachrichten liefern Argumente für die Hoffnung. Ob sie reichen, entscheidet sich an einer Chartmarke und in gut zwei Wochen.
Villach und Nvidia als Zukunftsstory
Infineon will bis 2034 rund 1,1 Milliarden Euro in den Standort Villach investieren. Dort soll die weltweit erste Massenfertigung für Galliumnitrid-Chips auf 300-Millimeter-Wafern entstehen.
Die Produktion soll Ende 2027 anlaufen. Aus einem Wafer lassen sich damit rund 2,3-mal mehr Chips gewinnen als auf 200-Millimeter-Scheiben. Der Europäische Chips Act steuert 319 Millionen Euro bei.
Neue Jobs entstehen nicht, bestehende Stellen werden gesichert. Die Investition ist daher eher ein Kapazitätssignal als ein Beschäftigungsprogramm. Ergebnisbeiträge sind erst nach dem Produktionsstart zu erwarten.
Parallel entwickelt Infineon mit Nvidia GaN-basierte Stromversorgungssysteme für KI-Rechenzentren mit 800 Volt Gleichspannung. Das baut auf der Zusammenarbeit von Mai 2025 auf, einen neuen Auftrag bedeutet es nicht. Die Fabrik liefert die Fertigungsbasis, die Kooperation den Anwendungsfall. Der Markt für GaN-Leistungshalbleiter soll nach Schätzungen bis 2031 auf rund 3,5 Milliarden Euro wachsen. Das ist eine Prognose, kein Fakt.
Charttechnik: Die 48-Euro-Marke
Rückenwind kommt zudem aus Asien: SK hynix meldete dank des KI-Booms einen deutlich höheren operativen Gewinn. Das stützt die gesamte Branche. Heute notiert Infineon im XETRA-Handel bei rund 53,60 Euro, ein leichtes Plus.
Die Marke von 50 Euro ist zurückerobert. Chartseitig gilt ein Anstieg Richtung 60 Euro als denkbar. Entscheidend ist die Unterstützung bei 48,12 Euro. Fällt die Aktie darunter, rückt nach Einschätzung von Marktbeobachtern die Zone um 40 Euro in den Blick.
Operativ stark, Bewertung ambitioniert
Das Geschäft läuft besser, als der Kurs vermuten lässt. Im Quartal bis Ende Juni erzielte Infineon mit 4,17 Milliarden Euro den höchsten Umsatz der Firmengeschichte, die Jahresprognose wurde angehoben. Die Deutsche Bank hält den Rückschlag für übertrieben. Das mittlere Kursziel der Analysten liegt bei rund 86 Euro. Susquehanna nennt 85 Euro.
Dagegen sprechen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 50, ein schwächelndes Autogeschäft und die Gefahr neuer KI-Sorgen.
Am 10. November legt Infineon die Zahlen zum Schlussquartal samt Ausblick vor. Der Konzern peilt dafür rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz und eine Segmentmarge von etwa 23 Prozent an. Verfehlt er diese Werte, dürfte die 48-Euro-Marke schnell wieder zum Thema werden.
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