Infineon hat seine Investitionspläne für das laufende Geschäftsjahr nochmals nach oben korrigiert. Der Chiphersteller will 2026 rund 2,7 Milliarden Euro investieren – 500 Millionen Euro mehr als bisher geplant. Im Zentrum steht der weitere Kapazitätsausbau in Dresden, wo Anfang Juli bereits die neue Smart-Power-Fab eröffnet wurde.
Fab-Eröffnung mehrere Monate früher als geplant
Die neue Fabrik in Dresden ging deutlich früher als ursprünglich vorgesehen in Betrieb. Mit einem Investitionsvolumen von 5 Milliarden Euro und rund 1.000 neuen Arbeitsplätzen verdoppelt Infineon dort die Produktionskapazität für Leistungshalbleiter und Analog-Mixed-Signal-Bauteile.
Nach eigenen Angaben handelt es sich um die weltweit größte Fabrik für Leistungshalbleiter. Die nun erhöhte Investitionssumme für das Geschäftsjahr fließt zu einem erheblichen Teil in den weiteren Ausbau dieses Standorts.
Der zusätzliche Kapitalbedarf fällt in eine Phase, in der Infineon von der Nachfrage aus dem Bereich KI-Rechenzentren profitiert. Im dritten Geschäftsquartal, das Ende Juni abschloss, erzielte das Unternehmen mit 4,172 Milliarden Euro einen Rekordumsatz, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Infineon inzwischen mit einem Konzernumsatz von etwa 16,3 Milliarden Euro, ein Wachstum von rund 11 Prozent. Das KI-Rechenzentrumsgeschäft selbst soll im laufenden Jahr auf 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro zulegen und im kommenden Geschäftsjahr auf rund 2,5 Milliarden Euro steigen.
Kapazitätsausbau als Antwort auf strukturelles Wachstum
Die höhere Investitionssumme lässt sich als Reaktion auf diesen strukturellen Nachfrageschub lesen. Anders als bei früheren Zyklen der Halbleiterbranche, in denen Kapazitätserweiterungen oft mit Verzögerung auf die Nachfrage folgten, baut Infineon nun parallel zum Umsatzwachstum aus.
Der vorgezogene Start der Dresdner Fab unterstreicht, dass der Konzern das Momentum im Bereich Stromversorgung für Rechenzentren nutzen will, bevor Wettbewerber ihre eigenen Kapazitäten aufstocken.
Gleichzeitig bleibt der Konzern auf der Ergebnisseite unter Beobachtung. Trotz des Rekordumsatzes im dritten Quartal blieb die operative Marge hinter den Erwartungen zurück, was die Aktie im August zunächst belastete. Für das vierte Quartal stellt Infineon jedoch eine sequenzielle Margenausweitung von 400 Basispunkten in Aussicht, bei einem erwarteten Umsatz von 4,7 Milliarden Euro.
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt uneinheitlich. Am Freitag legte das Papier um 2,2 Prozent zu und schloss bei 56,90 Euro, nachdem es sich über die vergangenen 30 Tage um 8,7 Prozent verbilligt hatte. Ein konkreter Auslöser für den jüngsten Kurssprung war nicht ersichtlich.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 51 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass Anleger die langfristige Wachstumsstrategie rund um KI-Rechenzentren und den Kapazitätsausbau in Dresden bislang honorieren, auch wenn kurzfristige Margenfragen für Schwankungen sorgen.
Die nächsten Geschäftszahlen, für das vierte Quartal des Geschäftsjahres, erwartet der Markt am 10. und 11. November. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob die angekündigte Margenausweitung tatsächlich eintritt und die zusätzlichen Investitionen in Dresden sich in konkreten Aufträgen niederschlagen.
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