Der Rückschlag bei europäischen Chipwerten ist aus Sicht der Deutschen Bank übertrieben. Infineon zählt für das Institut zu fünf Titeln mit Kaufempfehlung, die seit Juni zu stark abgestraft wurden. Die Begründung: Die Sorgen betreffen weniger das Geschäft als die Stimmung am Markt.
Stimmung statt Fundamentaldaten
Vor allem Zweifel an der Monetarisierung von Künstlicher Intelligenz belasten den Sektor, dazu kommen Kredit- und Makrosorgen. Die Fundamentaldaten rund um die KI-Investitionen nennt die Bank weiterhin sehr solide. Einige Titel verloren seit Juni 30 bis 45 Prozent. Neben Infineon führt die Bank STMicro, BE Semiconductor, SUSS MicroTec und Nokia auf der Liste der übermäßig gedrückten Werte.
Die Bank beschreibt ein volatiles, stark von Positionierungen geprägtes Umfeld. Anleger flüchten in Qualität und interessieren sich für Sondergeschichten einzelner Unternehmen.
Rekordquartal als Argument
Infineon hatte Anfang August Zahlen für das Quartal bis Ende Juni vorgelegt. Der Umsatz stieg auf 4,17 Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor in einem Quartal. Die Segmentergebnis-Marge verbesserte sich auf 19,1 Prozent, nach 17,1 Prozent im Vorquartal.
Für das Geschäftsjahr 2026 peilt der Konzern nun rund 16,3 Milliarden Euro Umsatz an. Den bereinigten Free-Cashflow erwartet er bei etwa 1,85 Milliarden Euro statt zuvor 1,65 Milliarden.
Mehrere große KI-Rechenzentrumskunden haben zudem mehrjährige Kapazitäten im hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich reserviert oder verhandeln darüber, teils mit Vorauszahlungen. Das macht die Nachfrage greifbarer als reine Erwartungen. Konzernchef Jochen Hanebeck nennt die Stromversorgung für KI-Rechenzentren den wichtigsten Wachstumstreiber.
Die Schattenseite liegt im Autosegment ATV. Es wächst langsamer, weil die Nachfrage nach Hochvoltkomponenten für Elektromobilität verhalten bleibt.
Analysten überwiegend positiv
Unter 15 Analysten raten 13 zum Kauf, zwei zum Halten, keiner zum Verkauf. Die Kursziele reichen von 64 bis 102 Euro. Jefferies sieht die Aktie bei 96 Euro, Susquehanna bei 85 Euro. Die breite Spanne zeigt, wie unterschiedlich die Perspektiven bewertet werden.
Der nächste Prüfstein steht fest im vorläufigen Finanzkalender: Am 10. November will Infineon Zahlen zum vierten Quartal und zum Geschäftsjahr 2026 vorlegen. Dann wird sich zeigen, ob Umsatz und Marge die im August genannte Prognose treffen.
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