Erst der Dämpfer, dann die Gegenbewegung: Infineon hat sich binnen 24 Stunden von einem China-Schreck erholt. Den Auslöser für die Wende lieferte ein Branchenkollege aus den Niederlanden.
Gestern: Sorge vor Konkurrenz aus China
Am Dienstag büßte die Aktie am deutschen Markt 2,1 Prozent ein. Ein Zeitungsbericht über technologische Fortschritte des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT belastete in Asien und Europa die gesamte Branche. Anleger fürchten neue Konkurrenz aus Fernost.
Andere Halbleiterwerte traf es teils härter. Elmos Semiconductor verlor 6,3 Prozent, Suss Microtec und Aixtron gaben um jeweils rund drei Prozent nach, Siltronic um 2,4 Prozent. Der Dax schloss insgesamt nahezu unverändert, der Chipsektor zog ihn nach unten.
Heute: ASML gibt Rückenwind
Am Mittwoch drehte das Bild. ASML stellte für das vierte Quartal Nettoumsätze oberhalb der durchschnittlichen Markterwartungen in Aussicht und verwies auf anhaltend hohe Nachfrage durch den Ausbau von KI-Rechenzentren. Das Jahresziel 2026 grenzte der Konzern leicht ein. Der Markt schaute vor allem auf die starken Aussichten.
Infineon legte im Verlauf um rund 1,6 Prozent zu, zeitweise stand ein Plus von gut zwei Prozent zu Buche. ASM International und BE Semiconductor zogen ebenfalls an. Damit machte die Aktie einen Teil der Verluste vom Vortag wett.
Charttechnik bleibt ein Warnsignal
Aus Sicht von Chartanalysten ist die Lage damit nicht entspannt. Infineon hatte mehrfach eine wichtige Supportzone verteidigt und war auf Höhe der 200-Tage-Linie nach oben gedreht. Es sah nach dem Fundament für einen neuen Aufwärtsimpuls aus. Zuletzt rutschte die Aktie jedoch wieder auf das Ausgangsniveau zurück, was das bärische Lager als klare Ansage wertet.
Die Erholung vom Mittwoch dürfte diesen Eindruck zunächst nur abmildern. Hinzu kommt das Makroumfeld: Vor den US-Inflationsdaten halten sich Investoren zurück, die Rendite zehnjähriger US-Anleihen liegt über 5,20 Prozent. Fällt die Zahl höher aus als erwartet, könnten Wachstumswerte wie Halbleiter unter Druck geraten.
Den nächsten fundamentalen Termin liefert Infineon selbst: Am 10. November legt der Konzern seine Zahlen vor.
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