Infineon dreht an der Preisschraube – und warnt gleichzeitig vor Lieferengpässen. Diese Kombination ist ungewöhnlich. Finanzvorstand Sven Schneider hat sie dem Handelsblatt trotzdem bestätigt.
CFO warnt vor Rückkehr zur Kontingentierung
Schneider sagte dem Handelsblatt, in bestimmten Bereichen könne es schnell wieder zur Allokation kommen. Dann muss der Konzern knappe Ware zuteilen. Kunden könnten ihre Lieferungen dann nicht mehr sicher planen.
Parallel zur Warnung erhöht Infineon in Teilbereichen die Preise für seine Halbleiter. Der Hintergrund: eine deutliche Kehrtwende in der Auslastung. Noch zu Jahresbeginn standen viele Fertigungsanlagen ungenutzt da.
Die Leistungshalbleiter für die Stromversorgung von Rechenzentren liefen da bereits im Boom. Seit Monaten kommt Infineon hier nicht mehr gegen die Nachfrage an. Inzwischen zieht auch das für den Konzern zentrale Geschäft mit der Autobranche wieder an.
Aktie unter Druck trotz operativer Stärke
Die Warnung trifft die Aktie in einer schwachen Marktphase. Am Freitag schloss das Papier bei 72,81 Euro, ein Minus von 0,82 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von knapp 6 Prozent zu Buche.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro, markiert am 3. Juni, hat sich der Kurs um 18,80 Prozent entfernt. Aktuell notiert die Aktie auch unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 74,44 Euro. Die Jahresbilanz bleibt trotzdem beeindruckend: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 90,08 Prozent.
Analysten heben Kursziele trotz Kursrückgang an
Bemerkenswert: Mehrere Großbanken haben ihre Kursziele gerade in dieser Schwächephase angehoben. BofA Securities bekräftigte am Freitag ihre Kaufempfehlung. Auch andere Häuser positionieren sich optimistisch.
- Berenberg: Kursziel 100 Euro (3. Juli), Kaufen
- Jefferies: Kursziel 96 Euro (2. Juli), Kaufen
- Deutsche Bank: Kursziel 90 Euro (2. Juli), Kaufen
- UBS: Kursziel 61 Euro (2. Juli), Neutral
Die Spanne zeigt, wie unterschiedlich der Markt die Lage einschätzt. Die zentrale Frage: Wie viel vom erwarteten Nachfrageschub steckt schon im Kurs?
Quiet Period vor den Q3-Zahlen
Seit dem 6. Juli befindet sich Infineon in der Quiet Period. Bis zur Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Geschäftsquartal kommuniziert das Management keine neuen Details. Diese Nachrichtenstille nutzen laut Marktbeobachtern viele Marktteilnehmer für eine Neubewertung des Konzerns – vor allem die hohe Bewertung steht dabei im Fokus.
Die Kombination aus Preiserhöhungen und Allokationswarnung deuten Marktbeobachter als Signal für eine Zyklus-Wende. Weg von der Angebotsflaute der vergangenen Quartale, hin zu echter Knappheit bei bestimmten Produkten. Ob sich Schneiders Engpässe tatsächlich in Zahlen niederschlagen, zeigt sich am 5. August. Dann veröffentlicht Infineon den Bericht zum dritten Geschäftsquartal.
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