Infineon spricht offen über etwas, das Anleger seit Monaten fürchten: Chipmangel. Finanzvorstand Sven Schneider warnt vor einer möglichen Rückkehr zur Kontingentierung. Die Nachricht trifft die Aktie in einer ohnehin unruhigen Marktphase.
Preise steigen, Ware wird knapp
Schneider sagte dem Handelsblatt: „In Teilbereichen erhöhen wir die Preise.“ Und weiter: „Es kann in bestimmten Bereichen schnell passieren, dass wir wieder in Allokation gehen.“ Das würde bedeuten: Kunden müssen um ihre Lieferungen bangen, die knappe Ware wird zugeteilt.
Der Hintergrund zeigt eine Kehrtwende. Noch zu Jahresbeginn standen viele Maschinen bei Infineon still. Nur Leistungshalbleiter für Rechenzentren liefen heiß — hier kommt der Konzern seit Monaten mit der Produktion nicht hinterher.
Jetzt zieht auch das Autogeschäft wieder an. Das ist für Infineon zentral: Die Autosparte macht etwa die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Marktbeobachter werten die Kombination aus Preiserhöhungen und Allokationswarnung als Signal für eine Zyklus-Wende — weg von der Flaute, hin zur Knappheit.
TSMC soll in Dresden nachlegen
Parallel zur Preisstrategie treibt Infineon den Ausbau der Kapazitäten in Dresden voran. Produktionsvorstand Alexander Gorski warb auf dem Bayerischen Halbleiter-Kongress für ein zweites TSMC-Werk in Deutschland. Diesmal soll es feinere Strukturen fertigen.
Das bereits im Bau befindliche erste TSMC-Werk ESMC fertigt Chips mit 12 bis 16 sowie 22 bis 28 Nanometern. Diese Bauelemente kauft vor allem die Autoindustrie. Ein zweites Werk würde dagegen moderne Nodes mit 7 oder 5 Nanometern anpeilen — Technologie, die bislang fast ausschließlich aus Taiwan kommt.
Gorski räumt selbst ein: Der Bedarf ist noch klein. Autohersteller nutzen solche Chips bislang nur für hochwertige Assistenzsysteme, der Massenmarkt fährt weiter auf reiferen Nodes. Konkret ist der Vorstoß auch zeitlich nicht. Ein neues Werk würde frühestens 2030 produzieren — vorerst bleibt es ein politisches Signal vom Kongress-Podium, kein unterschriebener Plan.
Kurs gibt nach, Analysten uneins
Die Aktie reagierte mit Kursverlusten. Zum Handelsschluss am Freitag notierte Infineon bei 72,81 Euro, ein Minus von 0,82 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,98 Prozent zu Buche.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro, markiert am 3. Juni 2026, beträgt inzwischen 18,80 Prozent. Trotzdem bleibt Infineon einer der stärksten DAX-Werte des Jahres: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 90,08 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar 90,60 Prozent.
Bei den Analysten zeigt sich ein gespaltenes Bild. Berenberg hob das Kursziel Anfang Juli auf 100 Euro an, Jefferies sieht 96 Euro, die Deutsche Bank 90 Euro — alle drei raten zum Kauf. UBS bewertet die Aktie deutlich zurückhaltender: Kursziel 61 Euro, Einstufung Neutral. Die weite Spanne zeigt, wie unterschiedlich der Markt einschätzt, wie viel vom erwarteten Nachfrageschub bereits im Kurs steckt.
Ob sich die von Schneider skizzierten Engpässe tatsächlich in den kommenden Quartalszahlen niederschlagen, wird sich zeigen. Die 50-Tage-Linie liegt bei 74,44 Euro — knapp über dem aktuellen Kurs. Ein Rückeroberung dieser Marke dürfte als erstes technisches Signal gelten, ob die Zyklus-Wende auch an der Börse ankommt.
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