Neue Chipfabrik in Dresden, Patentsieg in den USA gegen einen chinesischen Rivalen – und trotzdem bricht der Kurs ein. Bei Infineon klaffen operative Erfolge und Kursverlauf gerade weit auseinander.
Die Aktie des bayerischen Halbleiterherstellers fällt am Dienstag um 5,15 Prozent auf 59,47 Euro. Es ist bereits der dritte Verlusttag in Folge. Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro, erst im Juni erreicht, hat sich der Kurs mittlerweile um mehr als ein Drittel entfernt.
China-Konkurrenz und Charttechnik belasten
Der aktuelle Kursrutsch betrifft nicht nur Infineon. Der gesamte Halbleitersektor steht unter Druck. Trotz anhaltendem KI-Boom wächst die Sorge vor einer erstarkenden Konkurrenz aus China.
Der Börsengang des Speicherchip-Herstellers CXMT sorgt für Nervosität am Markt. Hinzu kommen Warnungen der südkoreanischen SK Group vor „abnormal hohen“ Speicherpreisen. Beide Meldungen nähren die Angst vor einer Margenkompression durch asiatische Wettbewerber.
Die Aktie hat inzwischen wichtige Unterstützungen gerissen. Besonders der Bruch des 50-Tage-Durchschnitts bei 75,24 Euro löste momentumgetriebene Verkäufe aus. Der Relative-Stärke-Index steht bei 33,6 Punkten und nähert sich der überverkauften Zone, signalisiert aber noch keine Trendwende. Analysten warnen: Ohne eine nachhaltige Rückeroberung der 60-Euro-Marke drohen neue Jahrestiefs.
Rekordfabrik und Patentsieg reichen nicht
Die operativen Nachrichten der vergangenen Wochen sprechen eigentlich für das Unternehmen. Anfang Juli eröffnete Infineon in Dresden seine neue „Smart Power Fab“. Mit rund 5 Milliarden Euro ist es die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte.
Im Patentstreit gegen den chinesischen Konkurrenten Innoscience setzte sich Infineon zudem durch. Ein US-Gericht verhängte ein Verkaufsverbot für bestimmte GaN-Produkte des Rivalen.
Trotzdem gewichten Anleger derzeit offenbar die Risiken höher als die Erfolge. Aufsichtsratsmitglied Peter Gruber verkaufte nach dem Juni-Rekordhoch Anteile. Solche Insiderverkäufe wertet der Markt häufig als Signal für eine kurzfristige Überbewertung.
Quartalszahlen am 5. August als nächster Prüfstein
Am 5. August legt Infineon die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor. Anleger wollen wissen, ob die starke Nachfrage nach KI-Leistungshalbleitern die Schwäche im Industrie- und Automotive-Geschäft ausgleichen kann.
Eine kürzlich geschlossene Kooperation mit LS Electric soll das Geschäft mit Rechenzentren stärken. Im Mai hatte der Konzern seine Umsatzprognose fürs Gesamtjahr angehoben und eine Segmentergebnismarge von rund 20 Prozent in Aussicht gestellt. Ob dieses Ziel angesichts der chinesischen Konkurrenz Bestand hat, zeigt sich am 5. August.
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