Infineon gewinnt am Mittwoch 1,7 Prozent und notiert bei 63,89 Euro. Der Kurs setzt damit die Erholung der vergangenen Woche fort, in der das Papier bereits 5,8 Prozent zulegte. Getragen wird die Bewegung von einer Kombination aus starken Quartalszahlen, einer angehobenen Kurszielprognose von Goldman Sachs und einer branchenweiten Rally im europäischen Chipsektor.
Goldman Sachs sieht beschleunigte KI-Nachfrage
Goldman Sachs hob am Freitag das Kursziel für Infineon von 88 auf 91 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Die Analysten begründen dies mit einer beschleunigten Nachfrage im KI-Geschäft und einer breiten Erholung der Endmärkte.
Einen Tag zuvor hatte Deutsche Bank Research das Kursziel dagegen von 90 auf 85 Euro gesenkt, allerdings ebenfalls bei einem „Buy“-Rating. Die Analysten verwiesen darauf, dass die Profitabilität etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Trotz der Kurszielsenkung bleibt die Kaufeinschätzung damit unverändert bestehen.
Der Kurs bewegt sich derzeit noch deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 71,53 Euro, ein Abstand von elf Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro, erreicht Anfang Juni, fehlen der Aktie 29 Prozent.
Zugleich liegt der Titel 107 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 4. September – ein Beleg für die enorme Schwankungsbreite des vergangenen Jahres. Seit Jahresanfang steht bei Infineon ein Plus von 69 Prozent.
Q3-Zahlen bestätigen KI-getriebenes Wachstum
Grundlage der jüngsten Kursziel-Anhebungen sind die am Mittwoch vorletzter Woche vorgelegten Zahlen zum dritten Geschäftsquartal. Infineon erzielte einen Umsatz von 4,172 Milliarden Euro und einen Gewinn von 797 Millionen Euro, was einer Marge von 19,1 Prozent entspricht.
Für das vierte Geschäftsquartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 4,7 Milliarden Euro, für das gesamte Geschäftsjahr 2026 rechnet Infineon mit rund 16,3 Milliarden Euro – ein Wachstum von etwa elf Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders im Fokus steht das Geschäft mit KI-Leistungshalbleitern. Hier hob Infineon die eigene Umsatzerwartung für 2026 von 1,5 auf über 1,6 Milliarden Euro an.
Das Unternehmen berichtete zudem von mehrjährigen Kapazitätsreservierungsvereinbarungen mit führenden KI-Kunden, die bereits abgeschlossen sind oder derzeit verhandelt werden. Das kumulierte Umsatzvolumen dieser Verträge bewegt sich nach Unternehmensangaben im hohen einstelligen Milliardenbereich.
Rückenwind aus dem Sektor und laufende Investitionen
Der freie Cashflow entwickelte sich unterschiedlich: Der bereinigte freie Cashflow stieg auf 1,85 Milliarden Euro, während der unbereinigte Wert wegen der Integration des von ams OSRAM übernommenen Sensorgeschäfts auf 0,9 Milliarden Euro sank. Die Übernahme des nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorportfolios war Anfang Juli für 570 Millionen Euro abgeschlossen worden und soll 2026 rund 230 Millionen Euro zum Umsatz beitragen.
Rückenwind kommt auch vom Sektor: ASML hob am Mittwoch die eigene Jahresprognose kräftig an, von 36 bis 40 Milliarden Euro auf 43 bis 45 Milliarden Euro Umsatz, getrieben von der KI-Nachfrage. Das befeuert die Rally europäischer Chipwerte insgesamt, von der auch Infineon profitiert.
Parallel dazu hat Infineon Anfang der Woche ein Aktienrückkaufprogramm gestartet: Bis zu drei Millionen Aktien im Wert von maximal 225 Millionen Euro sollen bis zum 13. November erworben werden, um Verpflichtungen aus der Mitarbeiterbeteiligung zu erfüllen.
Der nächste große Termin für Anleger ist der 10. November, wenn Infineon die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vorlegt. Analysten erwarten dann einen Gewinn pro Aktie von 0,63 Euro bei einem Umsatz von rund 4,66 Milliarden Euro.
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