Juristische Untersuchungen bringen Unruhe in die Aktie von ImmunityBio. Mehrere Anwaltskanzleien haben Vorwürfe zu Offenlegungspflichten, Unternehmensführung und mutmaßlichem Betrug aufgegriffen.
Am 18. Oktober weitete eine Kanzlei ihre Nachforschungen zudem auf Führungskräfte sowie Mitglieder des Verwaltungsrats aus, nachdem wenige Tage zuvor ein erstes Verfahren eingeleitet worden war. Die Überprüfungen betreffen Investoren, die vor dem 19. Januar 2026 Papiere erworben hatten.
Im vorbörslichen Handel am heutigen Dienstag steht das Papier bei 7,42 Euro, nachdem der Schlusskurs gestern noch bei 7,52 Euro gelegen hatte. Trotz der jüngsten Unruhe verbucht der Titel seit Jahresanfang einen Zuwachs von 325 Prozent.
Hohe Bewertung trifft auf Cash-Abfluss
Die rechtlichen Schritte fallen in eine Phase, in der die fundamentale Entwicklung des Biotech-Unternehmens genau beobachtet wird. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ImmunityBio einen Umsatz von rund 51,2 Millionen US-Dollar, wovon 50,7 Millionen US-Dollar auf Produkterlöse entfielen. Gleichzeitig stand jedoch ein Nettoverlust von 230,4 Millionen US-Dollar in den Büchern.
Der operative Mittelabfluss belief sich im selben Zeitraum auf etwa 66,5 Millionen US-Dollar, während der freie Cashflow mit minus 70,0 Millionen US-Dollar negativ ausfiel. Zum Ende des zweiten Quartals beliefen sich die liquiden Mittel und kurzfristigen Anlagen auf 357,4 Millionen US-Dollar.
Marktbeobachter verweisen auf das hohe Kurs-Umsatz-Verhältnis von 60, das deutlich über dem Branchendurchschnitt von Vergleichsunternehmen liege und kaum Raum für operative Verzögerungen lasse.
ANKTIVA-Expansion als zentraler Wachstumstreiber
Im operativen Geschäft stützt sich die mittelfristige Wachstumsfantasie vor allem auf das Krebsmedikament ANKTIVA. Im laufenden Monat genehmigte die US-Zulassungsbehörde FDA eine Erweiterung der Indikation auf das papilläre, BCG-unempfindliche nicht-muskelinvasive Blasenkarzinom. Begleitend dazu wurden langfristige Ergebnisse der Phase-2/3-Studie QUILT-3.032 vorgelegt, die eine anhaltende Wirksamkeit der Kombinationstherapie mit BCG belegen.
Für die künftige Erlösentwicklung ist nun entscheidend, wie schnell Urologie-Praxen das Mittel annehmen und Kostenträger entsprechende Erstattungsverträge abschließen. ImmunityBio strebt den Vertrieb des Präparats in 33 Ländern an.
Analysten zeichnen für die kommenden Jahre ein ambitioniertes Bild: Der Konsens erwartet bis 2029 einen Umsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn von 688,6 Millionen US-Dollar, gestützt auf ein prognostiziertes jährliches Erlöswachstum von über 100 Prozent.
Einzelne Schätzungen kalkulieren für 2029 dagegen vorsichtiger mit einem Überschuss von 415,5 Millionen US-Dollar, nachdem 2025 noch ein Fehlbetrag von 351,4 Millionen US-Dollar angefallen war. Sollte die internationale Markteinführung langsamer voranschreiten, könnte sich der Refinanzierungsbedarf des Unternehmens rasch erhöhen.
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