Starke Zahlen, schwache Kursreaktion — bei ICICI Bank passt das nicht recht zusammen. Indiens zweitgrößter privater Kreditgeber legte für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 (April bis Juni 2026) einen kräftigen Gewinnsprung vor. Der Markt reagierte trotzdem nur mit einem Schulterzucken.
Der Vorsteuergewinn ohne Treasury-Erträge kletterte um 20,9 Prozent auf 189,75 Milliarden Rupien. Der Reingewinn stieg um 15,9 Prozent auf 148,05 Milliarden Rupien, konsolidiert waren es 154,4 Milliarden Rupien. Getragen wurde das Ergebnis von einem Kreditwachstum von 19,6 Prozent sowie von deutlich gesunkenen Rückstellungen für faule Kredite, die um 30,5 Prozent zurückgingen.
Gebühreneinnahmen und Zinsmarge liefern Rückenwind
Die Zinserträge legten um 12,7 Prozent auf 243,84 Milliarden Rupien zu, die Nettozinsmarge blieb mit 4,36 Prozent stabil. Besonders auffällig: Die Gebühreneinnahmen sprangen um 23,5 Prozent auf 72,86 Milliarden Rupien — Management verweist dabei auch auf einen niedrigen Vorjahresbasiswert. Die Einlagen wuchsen um 14 Prozent, die Nettobelastung durch faule Kredite blieb mit einer Quote von 0,35 Prozent niedrig.
An der Heimatbörse in Mumbai reagierten die Anteile mit einem Plus von 1,84 Prozent auf 1.444,30 Rupien. Die in New York gehandelten ADRs schlossen die reguläre Sitzung bei 29,76 Dollar, ein Plus von 0,64 Prozent — nachbörslich gaben sie jedoch leicht auf 29,64 Dollar nach. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 107,6 Milliarden Dollar. Die verhaltene Bewegung deutet darauf hin, dass der Markt die operative Stärke bereits eingepreist hatte.
FCNR-Programm und Agrar-Portfolio im Blick
Für die kommenden Monate setzt das Management auf ein neues Einlagenprogramm für Auslandsinder (FCNR), das zusätzliche Finanzierungsflexibilität bringen soll — die Kosten nach Absicherung werden mit rund 630 bis 640 Basispunkten beziffert. Parallel läuft die Aufarbeitung des Agrar-Kreditportfolios, aus der in den kommenden Monaten mögliche Rückstellungsauflösungen resultieren könnten, vorbehaltlich behördlicher Prüfung. Die Umstellung auf das neue Rückstellungsmodell ECL könnte die Vorsorge um 5 bis 10 Basispunkte erhöhen, dürfte laut Management aber von bestehenden Kapitalpuffern aufgefangen werden.
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