IBM: Günstig bewerteter Dividendenaristokrat

Trotz starker Zahlen und wachsendem KI-Geschäft bleibt IBM unter Druck. Die günstige Bewertung eröffnet langfristig Chancen.

Auf einen Blick:
  • Umsatz und Gewinn übertreffen Erwartungen
  • KI-Auftragsbestand wächst auf 12,5 Milliarden
  • Übernahme von Confluent für Echtzeit-Daten
  • KGV von 17 und 3% Dividendenrendite

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Aktienkursentwicklungen, bei denen man sich nach dem Blick auf den Chart und dem Blick auf den Geschäftsbericht fragt, ob man wirklich dasselbe Unternehmen betrachtet.

Der Chip-Konzern Qualcomm war bis vor Kurzem so ein Fall, IT-Riese IBM ist aktuell ein solcher Fall. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 25% verloren und notiert nahe ihrem 12-Monats-Tief. Gleichzeitig hat IBM im ersten Quartal 2026 Ergebnisse vorgelegt, die die Erwartungen der Analysten in allen wesentlichen Punkten übertrafen.

Zahlen besser als erwartet – Aktie trotzdem unter Druck

So stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 9% auf 15,9 Mrd. US-Dollar und der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 1,91 US-Dollar. Analysten hatten im Vorfeld mit 15,6 Mrd. Dollar Umsatz und mit 1,81 US-Dollar Gewinn je Aktie gerechnet.

Das Software-Segment, der strategische Kern des Konzerns, wuchs um 11%, die Infrastruktursparte sogar um 15%. Besonders aufschlussreich ist das sogenannte KI-Backlog – also der Wert bereits abgeschlossener KI-Aufträge, die noch nicht umsatzwirksam wurden.

Dieser legte im ersten Quartal um rund 30% zu und überschritt die Marke von 12,5 Mrd. US-Dollar. Das zeigt, dass die Nachfrage nach IBMs KI-Lösungen mit hohem Tempo weiterwächst.

Trotzdem brach die Aktie nach der Zahlenveröffentlichung nachbörslich um über 7% ein. Der Markt hatte offenbar noch mehr erwartet – oder er zweifelt daran, dass IBM dieses Wachstumstempo halten kann.

Kein verstaubter Computerbauer – sondern KI-Infrastruktur für Firmenkunden

Diese Skepsis und die Kauf-Zurückhaltung der Investoren in den ersten fünf Monaten des Jahres machen eine Investition in den „langweiligen Standardkonzern“ aus meiner Sicht überaus interessant, selbst wenn das Wachstum schwächer wird. Der Gedanke, dass IBM ein verstaubter Computerbauer ist, ist schlicht falsch.

Seit der Übernahme von Red Hat 2019 hat sich IBM konsequent zu einer Hybrid-Cloud-Plattform gewandelt. Großunternehmen, Banken, Versicherungen und Behörden nutzen die IBM-Infrastruktur, weil sie verlässlich läuft, sicher ist und datenschutzkonform ist – Eigenschaften, die im KI-Zeitalter immer wichtiger werden.

Genau diese Kundenbasis ist es auch, die IBM beim Thema KI in eine beneidenswerte Ausgangsposition bringt. Das KI-Backlog beläuft sich bereits auf 12,5 Mrd. US-Dollar und legte allein im ersten Quartal um 30% zu – und das, obwohl die meisten Großprojekte noch gar nicht begonnen haben. IBM hat über Jahrzehnte aufgebaute Kundenbeziehungen in den komplexesten IT-Umgebungen der Welt – genau dort, wo KI-Projekte jetzt erst ausgerollt werden. Kein Cloud-Neuling kann diese Vertrauensbasis in kurzer Zeit replizieren.

Confluent-Übernahme: Strategisch sinnvoll

Chancen ergeben sich auch durch strategische Übernahmen, mit denen das Management sein Geschäft up to date hält. IBM hat die Übernahme von Confluent für rund 11 Mrd. US-Dollar angekündigt, einem Spezialisten für Echtzeit-Datenströme, der IBMs KI-Plattform watsonx mit kontinuierlich aktualisierten Daten versorgen soll. Der Hintergrund: KI-Agenten, die selbstständig Aufgaben übernehmen sollen, brauchen nicht nur gespeicherte, sondern laufend fließende Informationen.

IBM will damit die Grundlage für die nächste Generation KI-gestützter Unternehmensanwendungen legen. Sicher: Ob sich diese Investition in absehbarer Zeit auszahlt, bleibt abzuwarten – die Summe ist hoch, und die Integration kostet Zeit. Doch die strategische Logik ist nachvollziehbar und zumindest die letzte Groß-Übernahme Red Hat war ein voller Erfolg.

Microsoft als Vorbild: Stärke zeigt sich im Rückspiegel

Die Sorge vor einer anhaltenden Geschäftsdürre ist übertrieben. Als Microsoft zwischen 2012 und 2014 in einer ähnlichen Wahrnehmungsfalle steckte – solide Zahlen, träges Image, enttäuschter Markt – begann genau dort einer der stärksten Kursanstiege der Technologiegeschichte.

IBM muss diesen Weg nicht wiederholen, um eine attraktive Rendite zu liefern. Es reicht, wenn der Markt irgendwann anerkennt, dass es sich nicht um einen sterbenden Hardware-Dino handelt.

IBM-Aktie: 3% Dividende trifft auf günstige Bewertung

IBM zahlt seit 31 Jahren in Folge eine steigende Dividende – aktuell 1,69 US-Dollar je Aktie pro Quartal, was auf Basis des aktuellen Kurses einer Rendite von rund 3% pro Jahr entspricht. Die Zahlungen kommen nicht aus der Substanz, sondern aus der hohen Cash-Generierung. Mit mehr als 10 Mrd. US-Dollar freiem Cashflow pro Jahr kann IBM sogar noch weiter übernehmen und in neue Zukunftsfelder wie Quantencomputing investieren.

Gleichzeitig kommt die Aktie auf Basis der Gewinnschätzungen der Analysten für 2026 auf ein bereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17. Im langjährigen Vergleich wechselte das Papier zu deutlich höheren Multiplen oberhalb von 20 den Besitzer. Wer es also nicht auf eine Mindest-Dividendenrendite von 3% abgesehen hat, sondern auf eine Normalisierung der Bewertung schielt, hat hier ebenfalls ein gutes Argument auf seiner Seite. Und zuletzt sehen auch die Analysten in der Aktie Potenzial. Das durchschnittliche Kursziel liegt aktuell bei rund 276 US-Dollar – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von knapp 25% gegenüber dem aktuellen Kurs.

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