IBM steckt mitten in einer Stabilisierungsphase. Der Auslöser: ein Einbruch von 42 Prozent beim Umsatz mit IBM-Z-Mainframes im zweiten Quartal 2026. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 30,07 Prozent verloren und markierte am 23. Juli ein 52-Wochen-Tief bei 175,14 Euro. Der Schlusskurs von 181,74 Euro liegt damit nur knapp darüber.
Das Management hat die Wachstumsprognose für 2026 gesenkt. Statt der zuvor angepeilten über 5 Prozent rechnet IBM nun mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent. Der Grund: Firmenkunden verschieben ihre Investitionen zunehmend in Richtung KI-Hardware. Klassische Systeme bleiben dabei auf der Strecke.
Die entscheidende Frage
Für die Erholung zählt vor allem eines: Kehren die verzögerten Unternehmensdeals rechtzeitig zurück, um die Lücke im margenstarken Mainframe-Geschäft zu schließen? CEO Arvind Krishna behauptet, genau das passiere bereits.
Das optimistische Szenario
Krishnas Kernargument: Das schwache zweite Quartal sei eine Frage des Timings gewesen, kein Verlust von Marktanteilen. Ein Drittel der verschobenen Deals sei bereits Anfang des dritten Quartals zurückgekehrt. Bis Jahresende sollen laut Management 75 Prozent der aufgeschobenen Abschlüsse unter Dach und Fach sein.
Das Softwaregeschäft stützt diese These. Im zweiten Quartal wuchs der Bereich um 5 Prozent auf 7,76 Milliarden Euro, getragen von einem Plus von 11 Prozent bei Red Hat. Weil 80 Prozent der Softwareumsätze mittlerweile auf Abonnements basieren, könnte der Einbruch im Infrastrukturgeschäft nur eine vorübergehende Delle sein.
Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von 238,58 Euro. Das entspräche einem Potenzial von 31,3 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Hinzu kommt strategische Fantasie: Der KI-Programmierassistent „Bob“ wird bereits von über 80.000 Mitarbeitern genutzt. Parallel dazu investiert IBM zehn Milliarden Dollar in Quantencomputing, unter anderem durch die Übernahme von HRL Laboratories. Gelingt der kommerzielle Durchbruch bei beiden Projekten, könnten Contrarian-Investoren den aktuellen Abstand von 37,94 Prozent zum 52-Wochen-Hoch als Übertreibung nach unten werten.
Das Risikoszenario
Die Kehrseite: Die Verschiebung der Unternehmensbudgets hin zu KI-Servern und Speicherlösungen könnte ein dauerhaftes strukturelles Problem für IBMs klassisches Hardwaregeschäft sein — kein temporäres. Die Infrastruktursparte brach im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 3,84 Milliarden Euro ein. IBM musste zudem seine Softwarewachstumsprognose auf 6 bis 8 Prozent kappen, vorher waren zweistellige Raten angepeilt.
Das deutet darauf hin, dass der KI-Boom nicht nur Hardware, sondern auch Softwareabonnements unter Druck setzt. Firmenkunden priorisieren offenbar KI-Infrastruktur gegenüber klassischen IT-Ausgaben insgesamt.
Hinzu kommt die extreme Nervosität am Markt: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität der Aktie liegt bei 84,02 Prozent — ein außergewöhnlich hoher Wert. Verschärfend wirkt eine rechtliche Komponente: Kanzleien prüfen derzeit mögliche Verstöße gegen Wertpapierrecht im Zusammenhang mit der Transparenz von IBMs Auftragspipeline vor der Gewinnwarnung vom 14. Juli. Bleiben die „verzögerten“ Deals im dritten Quartal aus, oder belasten weiter steigende Chippreise — plus rund 60 Prozent im Jahresvergleich — die Budgets der Kunden zusätzlich, könnte der Support nahe dem 52-Wochen-Tief erneut auf die Probe gestellt werden.
Ausblick: Bewährungsprobe im dritten Quartal
Solange IBM eine sequenzielle Verbesserung bei der Abschlussrate neuer Deals zeigen kann, dürfte die Erzählung von der „temporären Verzögerung“ Bestand haben. Das könnte den Kurs in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts von 234,12 Euro stabilisieren. Bleibt das Softwarewachstum jedoch im einstelligen Bereich hängen und liefert das Mainframe-Geschäft nicht das von CFO Jim Kavanaugh versprochene „Rekordjahr“, dürfte der Markt IBM zunehmend als Legacy-Anbieter einordnen, der in einer KI-getriebenen Wirtschaft an Relevanz verliert.
Der nächste konkrete Termin: die Dividendenzahlung von 1,69 Dollar je Aktie am 10. September 2026. Verfehlt IBM zudem die Prognose zum freien Cashflow — geplant ist ein Plus von rund einer Milliarde Dollar im Jahresvergleich —, wäre das ein deutliches Warnsignal. Kurzfristig dürfte die Aktie in einer Seitwärtsbewegung verharren, bis die Zahlen des dritten Quartals zeigen, ob das zurückgekehrte Drittel der Deals der Beginn einer breiteren Erholung ist oder ein isolierter Einzelfall bleibt.
IBM-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue IBM-Analyse vom 24. Juli liefert die Antwort:
Die neusten IBM-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für IBM-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 24. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
