Wer die Quartalszahlen von IBM liest, fragt sich kurz, was eigentlich das Problem sein soll. 17,2 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal 2026, operativer Gewinn je Aktie von 2,93 Dollar, plus 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Jahresprognose wurde angehoben. CEO Arvind Krishna sprach davon, dass man sich „in den frühen Innings eines strukturellen Wandels“ befinde und das Portfolio gut positioniert sei. Klingt nach einem ordentlichen Quartal.
Und trotzdem liegt die Aktie am Boden
In den letzten 30 Tagen hat die IBM-Aktie jedoch gut 20 Prozent verloren, auf Jahressicht sind es knapp 26 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch lag bei 292,65 Euro, aktuell notiert die Aktie weit darunter. Wer also auf die Pressemitteilung schaut und denkt, hier stimmt doch alles, der übersieht, was sich im Detail verbirgt.
IBM Z bricht um 42 Prozent ein
Das Infrastructure-Segment lieferte den eigentlichen Schlag. Gesamtumsatz minus 7 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar. Aber der Knackpunkt steckt tiefer: IBM Z, der Mainframe-Bereich, brach um satte 42 Prozent ein. Das ist kein Ausrutscher, das ist ein Zyklusproblem. Mainframes laufen in langen Erneuerungszyklen, und IBM steckt gerade im Tal zwischen zwei Generationen. Distributed Infrastructure wuchs zwar um 37 Prozent und hat einen Auftragsrückstand von knapp 500 Millionen Dollar aufgebaut. Das hilft mittelfristig, rettet aber das Quartal nicht.
Consulting stagnierte bei 5,3 Milliarden Dollar. Flat. Im Vorjahresvergleich. In einer Branche, in der alle von KI-Beratungsboom reden.
Software trägt das Haus
Dass IBM überhaupt noch aufrecht steht, liegt am Software-Segment. 7,8 Milliarden Dollar, plus 5 Prozent. Red Hat legte 11 Prozent zu, das Datensegment sogar 19 Prozent. Transaction Processing hingegen verlor 8 Prozent, was zeigt, dass das klassische Lizenzgeschäft weiter schrumpft. CFO James Kavanaugh betonte, man habe „trotz Umsatzgegenwind im späten Quartalsverlauf die Fundamentaldaten im Blick behalten“. Was genau diesen Gegenwind ausgelöst hat, blieb vage.
Quantum für 10 Milliarden, Dividende seit 1916
IBM will in den nächsten fünf Jahren mehr als 10 Milliarden Dollar in Quantencomputing investieren und plant bis 2029 den ersten fehlertoleranten Quantencomputer in großem Maßstab. Außerdem wurde die Quartalsdividende auf 1,69 Dollar je Aktie bestätigt, ununterbrochen seit 1916. Das ist eine Zahl, die Dividendenjäger lieben. Für alle anderen ist sie vor allem ein Zeichen, dass IBM sehr gut darin ist, Kontinuität zu verwalten. Ob das reicht, um eine Aktie wieder auf 292 Euro zu bringen, ist eine andere Frage.
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