Ein Kampfjet-Deal finanziert Schweizer Spitzenforschung – und IBM liefert die Hardware dafür. Zusammen mit Lockheed Martin und der Schweizer Beschaffungsbehörde armasuisse hat der Konzern an der ETH Zürich ein Zentrum für Quanteninnovation gegründet. Herzstück ist der erste IBM Quantum System Two des Landes, der am Nationalen Hochleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano stehen wird.
Woher das Geld kommt
Bezahlt wird das Projekt indirekt über eine Offset-Vereinbarung, die aus dem Kauf des Kampfjets F-35A stammt. Wer der Schweiz Rüstungsgüter verkauft, muss einen Teil des Vertragswerts im Land reinvestieren – bei Lockheed Martin sind das rund drei Milliarden Dollar bis Ende 2034. Ein Teil davon fließt nun in sicherheitsrelevante Forschung, und genau dort landet das Quantenzentrum.
Für IBM bedeutet das einen Fuß in der Tür bei einem politisch hochsensiblen Beschaffungsprogramm, während in Bern gerade über einen Zusatzkredit für die Kampfjet-Flotte debattiert wird.
Technisch treibt das Projekt der Nighthawk-Prozessor an, IBMs derzeit fortschrittlichster Quantenchip mit 120 Qubits und 218 abstimmbaren Kopplern. Entscheidend ist dabei weniger die Qubit-Zahl als die Zahl der Rechenschritte, die eine Schaltung fehlerfrei übersteht – aktuell bis zu 5.000 Zwei-Qubit-Gatter, bis Ende des Jahres sollen es 7.500 werden.
An dieser Kennzahl hängt IBMs Ankündigung, noch in diesem Jahr einen belegten Quantenvorteil zu demonstrieren, also eine Aufgabe zu lösen, die kein klassischer Rechner schneller schafft. Der vollständig fehlertolerante Rechner Starling bleibt für 2029 angekündigt.
Was das für die Aktie bedeutet
Der Kurs bewegt sich nach dem heftigen Rücksetzer im Juli – von Hochs um 310 Dollar bis unter die Marke von 200 Dollar – seit Wochen in einer Bandbreite zwischen 228 und 242 Dollar.
Aktuell tastet sich die Aktie wieder an den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt heran, der bei rund 242 Dollar als Widerstand wirkt. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte ein Kursziel von 285 Dollar aktivieren, ein Rückfall unter 228 Dollar hingegen Richtung der Juli-Tiefs um 200 Dollar führen.
Die Quantenmeldung selbst dürfte an dieser charttechnischen Konstellation wenig ändern – zu klein ist das Volumen im Vergleich zum Kerngeschäft. Bemerkenswert ist eher die strategische Botschaft: IBM positioniert sich über Rüstungs-Offsets als Infrastrukturlieferant für staatlich finanzierte Zukunftstechnologie, ein Modell, das sich bei ähnlichen Beschaffungsprogrammen in anderen Ländern wiederholen lässt.
Bis Ende des Jahres soll der Rechner in Lugano tatsächlich in Betrieb gehen. Ob IBM bis dahin auch den versprochenen Quantenvorteil belegen kann, entscheidet sich an der Fehlerrate des Nighthawk-Chips – und damit an einer rein technischen, nicht politischen Hürde.
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