IBM kämpft mit den Folgen eines historischen Kursrutsches – und sendet zugleich Signale, dass das Geschäft intakt bleibt. Während die Aktie versucht, sich von einem der schwersten Tagesverluste der vergangenen 25 Jahre zu erholen, meldet der Konzern neue Großaufträge, veröffentlicht wichtige Forschungsergebnisse und verstärkt seine Führungsriege. Die Frage: Ist die Panik übertrieben oder unterschätzt der Markt die strukturellen Risiken?
Der Schock vom 23. Februar
Am 23. Februar brach die IBM-Aktie um über 13 Prozent ein – der stärkste Tagesverlust seit mehr als 25 Jahren. Auslöser war die Ankündigung von Anthropic, dass dessen Claude-Code-Tool zur Modernisierung von COBOL eingesetzt werden kann. Die Programmiersprache aus den späten 1950er-Jahren läuft überwiegend auf IBM-Systemen und wird noch immer in Zahlungsabwicklung und Einzelhandelssystemen genutzt. Die Sorge der Anleger: Wenn KI-Tools diese Modernisierungsarbeit übernehmen, könnte IBM ein lukratives Geschäftsfeld verlieren.
Die Aktie fiel seither von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 324,90 Dollar im November um fast 40 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 22 Prozent zu Buche, während der S&P 500 im Plus notiert. Nach dem dramatischen Ausverkauf stabilisierte sich der Kurs jedoch. Analysten argumentieren, dass IBM nicht so einfach von KI-Konkurrenz zerlegt werden könne.
International Business Machines Corporation Aktie Chart
Millionenauftrag vom US-Verteidigungsministerium
Inmitten der Börsenturbulenzen sicherte sich IBM einen bedeutenden Regierungsauftrag. Das Verteidigungsministerium vergab einen Vertrag mit einem Volumen von bis zu 112 Millionen Dollar über fünf Jahre. IBM soll die Preisauszeichnungssysteme in Militär-Supermärkten weltweit modernisieren – ein Projekt, das 177 US-Standorte und 58 internationale Filialen in zwölf Ländern umfasst.
Der Auftrag beinhaltet Hardware-Wartung, Softwarelizenzen, Sicherheitsupdates und Schulungen für bestehende elektronische Regaletiketten-Systeme. Für IBM ist es ein weiterer Baustein im wachsenden Bundesgeschäft. Parallel dazu wurde der Konzern für das SHIELD-Programm der Missile Defense Agency ausgewählt – ein Rahmenvertrag mit einem Höchstwert von 151 Milliarden Dollar.
Cybersicherheit: KI beschleunigt Angriffswelle
IBM veröffentlichte den X-Force Threat Intelligence Index 2026, der zeigt, wie Cyberkriminelle Sicherheitslücken immer schneller ausnutzen – beschleunigt durch KI-gestützte Angriffswerkzeuge. Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Angriffe über öffentlich zugängliche Anwendungen stiegen um 44 Prozent, oft wegen fehlender Authentifizierungsmechanismen.
- Aktive Ransomware- und Erpressergruppen nahmen um 49 Prozent zu, die Zahl öffentlich gemeldeter Opfer stieg um rund 12 Prozent.
- Die Ausnutzung von Schwachstellen war 2025 mit 40 Prozent die häufigste Angriffsmethode.
- Großangelegte Lieferketten-Kompromittierungen haben sich seit 2020 fast vervierfacht.
Der Report unterstreicht IBMs Rolle als Anbieter von Sicherheitslösungen für Großkunden – ein Segment, das vom Druck auf das Beratungsgeschäft weniger betroffen ist.
Solide Finanzen trotz Aktienschwäche
Operativ bleibt IBM stabil. Der Free Cashflow lag im vierten Quartal 2025 bei 7,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 1,4 Milliarden im Jahresvergleich. Allein im Schlussquartal flossen 1,6 Milliarden Dollar als Dividende an Aktionäre. IBM hat seine Ausschüttung 30 Jahre in Folge erhöht und zahlt ununterbrochen seit 1916 Dividende – Status: Dividend Aristocrat. Die nächste Quartalsdividende von 1,68 Dollar je Aktie ist für den 10. März angekündigt.
Auf der KI-Seite zeigt die watsonx-Plattform Wirkung: Die Bookings für generative KI überstiegen 12 Milliarden Dollar. Der Umsatz im vierten Quartal 2025 lag bei 19,23 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über dem Branchendurchschnitt.
Die Beratungsfrage: Strukturrisiko oder Überreaktion?
Das Beratungsgeschäft von IBM wuchs bereits vor dem Anthropic-Schock nur um drei Prozent. Falls Kunden Code-Modernisierungen zunehmend mit KI-Tools statt über IBM-Berater abwickeln, trifft das ein Segment mit fünf Milliarden Dollar Umsatz pro Quartal hart.
Analysten von Evercore ISI widersprachen der Marktpanik. Sie behielten ihr „Outperform“-Rating und das Kursziel von 345 Dollar bei. Ihre Begründung: IBM bietet eigene Modernisierungstools wie watsonx Code Assistant for Z an, und der aktuelle Mainframe-Zyklus z17 läuft besser als sein Vorgänger z16. Die Analysten argumentieren, dass das eigentliche Wachstum aus der KI- und Hybrid-Cloud-Sparte kommt – nicht aus der Beratung. Der Markt vermische eine Bedrohung für ein Segment mit einer existenziellen Gefahr für das gesamte Unternehmen.
Ausblick: Wachstumsziele für 2026
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet IBM ein Umsatzwachstum von über fünf Prozent zu konstanten Wechselkursen. Währungseffekte sollen zu aktuellem Stand etwa einen halben Prozentpunkt beisteuern. Der Free Cashflow soll um rund eine Milliarde Dollar steigen.
Die Aktie wird aktuell mit einem KGV von etwa 21 gehandelt – bei einem jährlichen Free Cashflow von 14 Milliarden Dollar und einer Dividendenrendite von drei Prozent. Die nächsten zwei Quartale werden zeigen, ob sich die Ängste um das Beratungsgeschäft in den Umsatzzahlen niederschlagen oder ob die Analysten recht behalten, die von einer Überreaktion ausgehen.
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