IBM hat ein solides Gewinnwachstum vorgelegt – und wird dafür an der Börse knallhart abgestraft. Der Grund: Beim Umsatz hat der IT-Konzern die Erwartungen deutlich verfehlt, und Vorstandschef Arvind Krishna liefert eine Erklärung, die viele Anleger nicht beruhigt.
Was hinter dem Umsatzfehltritt steckt
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal nur um ein Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit rund 17,86 Milliarden Dollar gerechnet – eine Lücke von knapp vier Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte zwar um fünf Prozent auf 2,93 Dollar, konnte die Sorgen um die Umsatzentwicklung aber nicht aufwiegen.
Die beiden Kerngeschäfte liefen dabei in entgegengesetzte Richtungen: Software legte um 5 Prozent zu, während der Infrastrukturbereich um 7 Prozent einbrach. Krishna erklärte in einem Brief an die Aktionäre, Kunden hätten in den letzten Juniwochen ihre Investitionen verstärkt in Server, Speichersysteme und Arbeitsspeicher umgeschichtet – aus Sorge vor drohenden Preiserhöhungen wegen Lieferengpässen. Das Unternehmen habe gewisse Effekte durch die Lieferkette eingeplant, das tatsächliche Ausmaß dieser Kaufverlagerung aber nicht vorhergesehen.
Sektorbeben an der Börse
Die Reaktion an den Märkten fiel entsprechend heftig aus. Die IBM-Aktie brach vorbörslich zeitweise um rund 20 Prozent auf etwa 228 Dollar ein. Der Kurssturz zog weite Teile der IT- und Software-Branche mit:
- SAP: minus rund 5 Prozent auf etwa 133 Euro
- Accenture: minus rund 9 Prozent auf 126 US-Dollar
- ServiceNow: minus rund 8 Prozent auf 102,59 US-Dollar
- Microsoft: minus rund 3 Prozent auf 379 US-Dollar
- Capgemini und Nemetschek: jeweils rund 4 bis 5 Prozent im Minus
Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren – ein derart breiter Ausverkauf über mehrere Börsenplätze hinweg signalisiert, dass der Markt die Aussagen aus Armonk als Warnsignal für die gesamte Branche wertet.
Interessant ist dabei die Kehrseite der Entwicklung: Die vorgezogenen Hardware-Käufe der IBM-Kunden könnten anderswo als Rückenwind ankommen. Anbieter von KI-Infrastruktur, die von der erhöhten Nachfrage nach Servern und Speicherlösungen profitieren, dürften genau jene Verschiebung zu spüren bekommen, die IBM gerade Umsatz gekostet hat.
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