Der Auftragsbestand für Künstliche Intelligenz explodiert bei IBM. Innerhalb eines Jahres wuchs das Volumen von zwei auf 12,5 Milliarden US-Dollar. Die Kunden unterschreiben Verträge am laufenden Band. Die tatsächliche Einführung der Software stockt allerdings gewaltig.
An der Börse honorieren Anleger die jüngsten Fortschritte dennoch. Die IBM-Aktie schloss am Freitag bei 237,80 Euro und verzeichnete ein Wochenplus von fast zehn Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro schrumpft zusehends.
Durchbruch im Labor, Stau in der Praxis
IBM stellte kürzlich einen neuen 0,7-Nanometer-Chip vor. Der winzige Baustein fasst 100 Milliarden Transistoren. Er verdoppelt die Dichte der Vorgängergeneration. Die Technologie soll Anwendungen im Bereich der generativen KI massiv beschleunigen.
Die anfängliche Euphorie kühlte schnell ab. Bis zur Serienproduktion vergehen mindestens fünf Jahre. Ein Partner für die Fertigung fehlt bisher komplett.
Parallel dazu treibt der Konzern lukrative Partnerschaften voran. IBM verknüpft seine KI-Plattform Watsonx tiefer mit den Systemen von ServiceNow. Hinzu kommt eine neue Sicherheitskooperation mit OpenAI.
Die Lücke zwischen Vertrag und Umsatz
Die wahre Herausforderung liegt im Tagesgeschäft. Generative KI macht inzwischen rund 30 Prozent des gesamten Auftragsbestands aus. Das Geld fließt aber erst bei erfolgreicher Nutzung durch den Kunden.
Genau hier hakt es. Eine interne Studie zeigt ein klares Bild. Gut 90 Prozent der Führungskräfte verstehen ihre eigenen KI-Verflechtungen nicht vollständig. Viele fürchten die Bindung an einzelne Anbieter. Analysten rechnen daher mit Verzögerungen bei großen Firmen-Rollouts.
Analysten blicken auf den Juli
Am 22. Juli präsentiert CEO Arvind Krishna die Zahlen für das zweite Quartal. Die Wall Street positioniert sich bereits für den Termin. JPMorgan rechnet mit einem starken Software-Geschäft im zweiten Halbjahr. Besonders die Cloud-Plattform OpenShift soll für Rückenwind sorgen.
Die aktuellen Erwartungen im Überblick:
* Umsatzprognose (Q2): rund 17,8 Milliarden US-Dollar
* Gewinn je Aktie (Q2): schätzungsweise 2,98 US-Dollar
* JPMorgan Kursziel: 291 US-Dollar (Zuvor: 270)
* Barclays Kursziel: 350 US-Dollar
Trotz des Optimismus bleiben Risiken. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei über 22. Der Branchendurchschnitt der IT-Dienstleister erreicht nur einen Wert von knapp 17. Das macht das Papier anfällig für Zinsentscheidungen der US-Notenbank.
Auch das Beratungsgeschäft muss dringend wachsen. Im ersten Quartal stieg der Umsatz hier nur um vier Prozent. Die Eingliederung des elf Milliarden Dollar teuren Zukaufs Confluent steht ebenfalls auf dem Prüfstand.
Der Quartalsbericht am 22. Juli bringt die Entscheidung. IBM muss beweisen, dass sich der gigantische KI-Auftragsbestand in echten Umsatz verwandelt. Gelingt das, rückt das 52-Wochen-Hoch wieder in greifbare Nähe. Enttäuscht das Management, droht ein harter Rückschlag.
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