IBM hat auf der Chip-Konferenz Hot Chips 2026 am Montag vergangener Woche den ersten dualen Mainframe-Prozessor vorgestellt, der IBM- und Arm-Rechenplattformen nativ auf denselben Kernen laufen lässt. Der Chip ist für künftige Systeme der Reihen IBM Z und LinuxONE vorgesehen und markiert den ersten sichtbaren Meilenstein der im April vereinbarten Kooperation mit Arm.
Technisch verbaut IBM elf Kerne mit einer Taktrate von über 5,7 Gigahertz, gefertigt im 2-Nanometer-Verfahren. Hinzu kommen KI-Beschleuniger für die Betrugserkennung, eine eigene Dateneinheit für die Verarbeitung direkt auf dem Chip sowie ein großer Cache-Speicher für Unternehmensanwendungen.
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der das Mainframe-Geschäft von IBM unter Druck steht: Im zweiten Quartal war der Infrastruktur-Umsatz um 7 Prozent gefallen, das Z-Segment brach dabei um 42 Prozent ein, da Kunden nach einem starken Produktzyklus zurückhaltender bestellten.
Die neue Chip-Generation soll genau hier ansetzen und Unternehmen einen Grund liefern, auf die kommende Systemgeneration umzusteigen, statt bestehende Mainframe-Infrastruktur weiter zu nutzen.
Quantenforschung und Zukäufe als zweite Baustelle
Parallel treibt IBM sein Quantenprogramm voran. Am 19. August verband das Unternehmen erstmals zwei kryogene Module in einer gemeinsamen Kühlumgebung – ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer modularen Architektur, die perspektivisch Hunderte Quantenchips verknüpfen soll. Wenige Tage später schloss IBM die Übernahme von HRL Laboratories ab, einem Forschungsinstitut mit Expertise in Quantencomputing, Sensorik und Materialwissenschaft.
Der BTIG-Analyst Jesse Sobelson dämpfte am Dienstag vergangener Woche die Erwartungen an den kryogenen Fortschritt. Er warnte davor, die Verbindung der Kühlmodule bereits als Beleg für einen einzigartigen technologischen Vorsprung zu werten, und verwies darauf, dass IBM erst noch eine belastbare Fehlerkorrektur über mehrere Module hinweg nachweisen müsse, bevor das für 2029 gesetzte Starling-Ziel an Substanz gewinne.
Insiderverkauf und Kursbild
Für Anleger dürfte zudem der Verkauf von SVP Robert David Thomas ins Auge fallen: Er trennte sich am 26. August von 25.000 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 230,32 US-Dollar, ein Gesamtvolumen von rund 5,76 Millionen Dollar. Damit reduzierte er seinen Bestand um gut ein Drittel auf noch etwa 47.800 Aktien.
An der Börse zeigt sich die Aktie derzeit angeschlagen. Im deutschen Handel notiert das Papier bei 201,55 Euro und damit 5,2 Prozent unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 212,57 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22 Prozent zu Buche, während der Kurs zugleich 15 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 175,14 Euro liegt.
Die technischen Fortschritte bei Mainframe und Quantencomputing haben die Anleger bislang also nicht überzeugt – der Kurs bleibt trotz der Innovationsmeldungen in einer schwachen Verfassung, während der Markt offenbar auf handfestere Umsatzsignale wartet, insbesondere im schwächelnden Z-Geschäft.
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