IBM erholt sich. Die Aktie legt am Dienstag um 0,89 Prozent zu und steht bei 191,20 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 3,59 Prozent — eine erste Antwort auf den brutalen Kurssturz, den die Enttäuschung bei den Quartalszahlen Mitte Juli ausgelöst hatte.
Der schlimmste Handelstag in 115 Jahren
Am 23. Juli fiel die IBM-Aktie auf ihr Jahrestief. Vorausgegangen war der schlimmste Tagesverlust der Firmengeschichte: Die Titel brachen um 25,2 Prozent ein, ein tieferer Absturz als am legendären Schwarzen Montag 1987.
Seitdem hat sich der Kurs stabilisiert. Er bleibt aber weit von seinem Jahreshoch entfernt, das IBM am 1. Juni erreicht hatte — der Abstand beträgt noch immer 34,71 Prozent.
CEO Krishna widerspricht der Abschwung-These
Ein Teil der Erholung geht auf Aussagen von CEO Arvind Krishna zurück. Er versucht, Anleger zu beruhigen: Der Rückschlag im zweiten Quartal sei vorübergehend, nicht strukturell. Krishna berichtet, ein Drittel der großen Firmenkunden-Deals, die im zweiten Quartal auf Eis lagen, seien inzwischen zurückgekehrt.
Der Grund für die Verzögerung: Chip-Hardware verteuerte sich um fast 60 Prozent. Viele Fortune-100-Unternehmen kauften daraufhin verstärkt physische Server. Für Software-Budgets blieb weniger übrig.
Diese Verschiebung traf IBMs Software-Geschäft direkt. Krishna betont trotzdem: Künstliche Intelligenz bleibt der zentrale Wachstumstreiber. Die verschobenen Aufträge kämen bereits zurück.
Analysten bleiben uneins
Trotz der Erholung senken mehrere Wall-Street-Häuser ihre Kursziele. Morgan Stanley-Analyst Erik Woodring beließ sein Rating bei „Equal-Weight“, kappte das Kursziel aber von 293 auf 190 US-Dollar — ein Rückgang von 35,15 Prozent. HSBC-Analyst Abhishek Shukla ging noch weiter: Er stufte IBM von „Hold“ auf „Reduce“ herab und senkte das Kursziel von 231 auf 191 US-Dollar.
Damit hat IBM nun zwei Verkaufsempfehlungen im Analystenbild. Dem stehen weiterhin 15 Kaufempfehlungen und sieben Halteempfehlungen gegenüber. Von einer einhelligen Abkehr kann also keine Rede sein — einige Analysten schätzen das breite IBM-Portfolio weiterhin positiv ein, andere warnen vor Ausführungsrisiken nach dem enttäuschenden Quartal.
Prognose und Dividende bleiben bestehen
Bei der offiziellen Vorlage der Quartalszahlen hielt das Management an einer nur leicht gesenkten Prognose fest. IBM erwartet nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent. Der freie Cashflow soll im Gesamtjahr weiterhin um rund eine Milliarde Dollar steigen.
Auch bei der Dividende gibt es keine Kürzung. Der IBM-Vorstand genehmigte eine Quartalsdividende von 1,69 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 10. September 2026 an Aktionäre, die am 10. August 2026 im Register stehen. Mit dieser Zahlung setzt IBM eine Serie fort, die bis ins Jahr 1916 zurückreicht — seit über einem Jahrhundert ohne Unterbrechung.
Ausblick
Die annualisierte Volatilität der Aktie liegt bei fast 85 Prozent. IBM-Titel reagieren damit weiterhin extrem empfindlich auf neue Nachrichten. Der Markt sucht eine Antwort auf eine zentrale Frage: War die Schwäche bei Mainframes und Software nur ein Timing-Problem beim Hardware-Preisschock, oder zeigt sich hier ein tieferer Wettbewerbsdruck durch KI-getriebene Verschiebungen bei Unternehmensausgaben? Die Erholung vom Jahrestief spricht für die erste Lesart. Ein vollständig zurückgewonnenes Anlegervertrauen sieht anders aus.
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