Rekordauftragseingang, Rekordbacklog – und trotzdem geht es an der Börse abwärts. Bei Huber + Suhner klafft die Erzählung des Managements gerade weit auseinander von dem, was der Kurs zeigt.
Die Halbjahreszahlen, vorgestellt am heutigen Dienstag, fielen zwiespältig aus. Der Auftragseingang stieg auf 542,8 Millionen Franken, organisch ein Plus von 8,5 Prozent und bereits das dritte Halbjahr in Folge über der Marke von 500 Millionen Franken. Der Auftragsbestand erreichte mit 516,7 Millionen Franken einen Rekordwert. Die Aktie reagierte darauf mit einem Kursrutsch von rund 6 Prozent auf etwa 191 Dollar.
Wo die Marge wegbricht
Der Grund für die Skepsis liegt im operativen Ergebnis. Das EBIT sank um 8,4 Prozent auf 41,2 Millionen Franken, die Marge schrumpfte von 10,1 auf 9,0 Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem das Segment Communication, das durch den Kapazitätsaufbau für optische Verbindungstechnik (OCS) in Rechenzentren belastet wird – dort kippte die Marge von plus 8,0 auf minus 0,8 Prozent.
Das Segment Industry lieferte dagegen ein Ausrufezeichen: Der Auftragseingang legte um 41,7 Prozent zu, angetrieben von Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung. Die EBIT-Marge kletterte hier auf 19,6 Prozent. Transportation entwickelte sich mit stabilen Umsätzen und leicht verbesserter Marge unauffällig solide.
Zusätzlich belastete die Cash-Entwicklung das Bild. Der operative Cashflow brach von 63,3 Millionen auf 2,9 Millionen Franken ein, der freie Cashflow rutschte auf minus 65,3 Millionen Franken. Grund ist der Aufbau von Working Capital für die OCS-Produktion und die Auftragsabarbeitung im Bereich Luftfahrt und Verteidigung – nach Unternehmensangaben ein temporärer Effekt.
Guidance bleibt bestehen
Das Management bestätigte die Jahresprognose für 2026: organisches Umsatzwachstum von mindestens 10 Prozent und eine EBIT-Marge zwischen 10,5 und 12,0 Prozent, damit im oberen Bereich der mittelfristigen Zielspanne von 9 bis 12 Prozent. CEO Urs Ryffel verwies auf den Rekord-Auftragsbestand als Fundament für ein deutlich stärkeres zweites Halbjahr, wenn die OCS-Produktion hochläuft und Fixkosten besser gedeckt werden.
Im Juli hatte Huber + Suhner zudem die Übernahme von Ingun angekündigt, einem Anbieter von Präzisionstestlösungen mit Sitz in Konstanz und mehr als 400 Mitarbeitenden. Der Abschluss der Transaktion wird gegen Ende des dritten Quartals 2026 erwartet, ein erster Ergebnisbeitrag soll im vierten Quartal folgen.
Die Kursreaktion zeigt, wie sensibel der Markt auf Margendruck reagiert, selbst wenn die Nachfrage stimmt. Ob die zweite Jahreshälfte die versprochene Profitabilitätswende bringt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die OCS-Produktion in Polen ausgelastet wird und ob weitere Hyperscaler-Kunden hinzukommen.
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