Hormus-Poker treibt Gold und Silber, Öl im Zickzack

Geopolitische Spannungen treiben Edelmetalle auf Mehrwochenhochs, während Ölpreise stark schwanken. Kupfer profitiert von struktureller Nachfrage.

Auf einen Blick:
  • Gold erreicht vierten Tagesgewinn
  • Silber steigt auf Sieben-Wochen-Hoch
  • WTI und Brent mit heftigen Ausschlägen
  • Kupfer gestützt durch Nachfrageboom

Eine Meerenge entscheidet derzeit über Wohl und Wehe halber Rohstoffmärkte. Während Iran und Oman über einen Schifffahrtskorridor durch die Straße von Hormus verhandeln, schwanken Öl und Edelmetalle im Stundentakt zwischen Erleichterung und neuer Nervosität. Gold und Silber nutzen die Unsicherheit als Rückenwind, Öl reagiert genau umgekehrt.

Was als Hoffnung auf Entspannung begann, entwickelte sich binnen weniger Tage zu einem zähen diplomatischen Ringen. Neue Zwischenfälle in der Region trübten die Stimmung immer wieder ein, kaum dass sich Fortschritte abzeichneten. Diese Gemengelage prägt seit Tagen das Bild an den Rohstoffmärkten – mit fünf sehr unterschiedlichen Reaktionen.

Gold: Vierter Handelstag im Plus, Fed-Kurs im Blick

Der Goldpreis bewegte sich zuletzt kaum vom Fleck und pendelte um die Marke von 4.300 US-Dollar. Zuvor hatte das Edelmetall seinen bisher stärksten Lauf des Jahres hingelegt: vier Handelstage in Folge ging es aufwärts, angetrieben von der Hoffnung auf eine Wiederöffnung der Meerenge und einem sich eintrübenden US-Arbeitsmarkt.

Die Wochenbilanz spricht für sich. Auf Sieben-Tages-Sicht steht ein Plus von 5,16 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sind es 5,44 Prozent. Damit liegt der Goldpreis rund 3,17 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen für den frischen Aufwärtsschwung der vergangenen Wochen.

Für Bewegung sorgten zuletzt widersprüchliche Signale aus der US-Notenbank. Fed-Gouverneurin Lisa Cook zeigte sich bereit, die Zinsen notfalls weiter anzuheben, sollte die Inflation nicht abkühlen. Gleichzeitig schwächten enttäuschende Beschäftigungsdaten die Erwartung weiterer Straffungen deutlich ab. Die Märkte preisen inzwischen nur noch eine Zinserhöhung bis Jahresende ein, vor einer Woche waren es noch zwei. Der heutige US-Arbeitsmarktbericht dürfte zeigen, welches Szenario sich durchsetzt.

Silber: Sprung auf Sieben-Wochen-Hoch, Industrie als Stütze

Silber zog in dieser Woche noch dynamischer an als Gold und erreichte mit rund 62,5 US-Dollar je Unze den höchsten Stand seit Ende Juni. Nachlassende geopolitische Spannungen und schwache US-Arbeitsmarktdaten befeuerten die Erwartung einer weniger aggressiven Fed – ein klassisches Umfeld für Edelmetalle.

Bemerkenswert ist die fundamentale Untermauerung durch die Industrienachfrage. Chinesische Importe von silberhaltigen Erzen kletterten im Juni um 62,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 219.000 Tonnen. Der Wert passt zur expandierenden Produktion von Solarpanels und Stromnetzkomponenten, die Silber als Industriemetall zunehmend attraktiv macht.

Ganz ohne Risiko ist die Rally allerdings nicht. Ein erneuter Anstieg der Energiepreise könnte die Kurse rasch wieder in Richtung des Siebenmonatstiefs von 55 US-Dollar drücken, das erst Mitte Juli markiert wurde.

Rohöl WTI: Achterbahnfahrt zwischen Iran-Hoffnung und Zollsorgen

Kaum ein Rohstoff zeigte zuletzt derart heftige Ausschläge wie WTI. Zu Wochenbeginn brach der Preis um fast 8 Prozent ein, nachdem eine angekündigte militärische Eskalation gegen den Iran wieder abgesagt wurde. Zusätzlich belastete die OPEC+-Entscheidung, die Fördermenge ab September zu erhöhen.

Zur Wochenmitte pendelte sich WTI bei rund 75 US-Dollar je Barrel ein, nach drei rückläufigen Sitzungen in Folge. Grund war die Annäherung zwischen Iran und Oman bei den Verhandlungen über einen Schifffahrtsweg durch Hormus, was höhere Energieflüsse aus dem Nahen Osten wahrscheinlicher machte.

Ganz beruhigt hat sich die Lage jedoch nicht. Houthi-Kräfte im Jemen erklärten, einen saudischen Öltanker im Golf von Aden angegriffen zu haben, und drohten weiteren Schiffen im Roten Meer. Solche Zwischenfälle erinnern daran, wie fragil jede Entspannung in der Region bleibt.

Brent Crude: Rückkehr über die 80-Dollar-Marke nach Verkaufswelle

Auch die globale Referenzsorte durchlief eine turbulente Woche. Zu Wochenbeginn rutschte Brent um rund 4,6 Prozent ab, nachdem die Aussicht auf eine Entspannung zwischen den USA und Iran die Preise unter Druck gesetzt hatte. Am Donnerstag drehte der Wind: Brent stieg um mehr als 4 Prozent und kletterte zurück über die 80-Dollar-Marke, mit einem Schlusskurs von 81,70 US-Dollar.

Der Grund für die plötzliche Kehrtwende liegt in den Details der Verhandlungen. Im Entwurf des Iran-Oman-Abkommens will Teheran US- und israelischen Schiffen die Durchfahrt durch Hormus untersagen und von als feindlich eingestuften Ländern eine Entschädigung verlangen. Bei Verstößen sollen Strafen von 20 Prozent des Frachtwerts fällig werden. Ein iranischer Parlamentsausschuss prüft derzeit genau solche restriktiven Bedingungen – ein Umstand, der die Sorge vor eingeschränkten Öllieferungen neu befeuerte.

Auf Jahressicht bleibt Brent trotz der Schwankungen deutlich im Plus: Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 34,26 Prozent zu Buche, die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei hohen 69,26 Prozent annualisiert. Das unterstreicht, wie nervös der Markt derzeit auf jede neue Nachricht aus der Region reagiert.

Kupfermarkt: Zwischen Zoll-Poker und strukturellem Nachfrageboom

Während Edelmetalle und Öl von der Geopolitik am Golf getrieben werden, bewegt sich der Kupfermarkt in einer eigenen Logik. Das Industriemetall kletterte zuletzt in Richtung 6,72 US-Dollar, gestützt von Engpässen bei Kupferkonzentrat und Schrottkupfer im größten Verbraucherland China. Diese Verknappung trieb die Behandlungskosten und Marktspannen spürbar nach oben.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die US-Zollpolitik ins Spiel. Händler bleiben vorsichtig angesichts möglicher neuer Zölle auf das Metall – eine Aussicht, die zuletzt bereits Kupferlieferungen in Richtung USA umgelenkt hat. Auf Jahressicht hat sich der Kupferpreis dennoch beeindruckend entwickelt: ein Plus von 52,80 Prozent binnen zwölf Monaten und 19,38 Prozent seit Jahresbeginn.

Die langfristige Nachfrageseite bleibt außerordentlich robust. Der globale Übergang zu sauberer Energie und das rasante Wachstum von Rechenzentren für künstliche Intelligenz stützen die Preise strukturell. Gebremst wird die Rally allerdings von der chinesischen Konjunktur: Private Daten zeigten für Juli einen Rückgang der industriellen Aktivität auf ein Viermonatstief, während Peking eher auf bestehende Maßnahmen setzt als auf ein umfassendes Konjunkturpaket. Minenausfälle und lange Vorlaufzeiten für neue Projekte sorgen derweil dafür, dass auch die Angebotsseite kaum Entlastung verspricht.

Ein gemeinsamer Nenner, fünf unterschiedliche Reaktionen

Die fünf Rohstoffe zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich dieselbe Nachrichtenlage auf verschiedene Anlageklassen wirkt:

  • Gold und Silber profitierten von der Kombination aus geopolitischer Unsicherheit als Absicherungsmotiv und sinkenden Fed-Zinserwartungen – beide Edelmetalle erreichten Mehrwochenhochs.
  • WTI und Brent reagierten spiegelverkehrt: Fortschritte bei den Hormus-Verhandlungen drückten die Preise, weil sie ungestörte Energieflüsse aus dem Nahen Osten wahrscheinlicher machten.
  • Kupfer bewegt sich in einer eigenen Sphäre, getrieben von US-Zollpolitik, chinesischer Konjunkturschwäche und einer langfristig bullischen Nachfragestory rund um Energiewende und Rechenzentren.

Der US-Dollar fungiert dabei als zentrales Bindeglied zwischen den Anlageklassen. Ein schwächerer Greenback stützte in dieser Woche sowohl Gold als auch Silber, während er gleichzeitig Rohstoffe in Fremdwährungsräumen verteuerte und damit die globale Nachfragedynamik beeinflusste.

Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten

Der heute veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht für Juli dürfte richtungsweisend für alle fünf Rohstoffe sein. Fallen die Nonfarm Payrolls schwächer aus als die zuletzt enttäuschenden Beschäftigungsdaten nahelegten, könnten sich die Zinssenkungserwartungen weiter verfestigen. Ein solches Szenario würde tendenziell Gold und Silber stützen und gleichzeitig den Dollar belasten – mit möglichem Rückenwind auch für Öl und Kupfer.

Parallel bleibt die Entwicklung rund um die Straße von Hormus der entscheidende Unsicherheitsfaktor für die Ölpreise. Sollte sich die vorgeschlagene, restriktive Vereinbarung zwischen Iran und Oman tatsächlich materialisieren, dürfte dies kurzfristig für weitere heftige Preisschwankungen bei WTI und Brent sorgen. Beim Kupfermarkt richten sich die Blicke zunehmend auf mögliche neue US-Zollentscheidungen, die das fragile Gleichgewicht zwischen strukturellem Angebotsdefizit und kurzfristigen Handelsverzerrungen erneut verschieben könnten.

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