Mit dem erfolgreichen Abschluss des Spin-offs der Luftfahrtsparte und weitreichenden strategischen Neuerungen hat der Industriekonzern Honeywell eine tiefgreifende Transformation vollzogen. Seit dem 10. Juli 2026 agiert die Honeywell Aerospace (HONA) als eigenständiges Unternehmen am Markt. Diese Entwicklung ist das Ergebnis einer massiven Umstrukturierung, die maßgeblich durch den Investor Elliott Management unter Paul Singer vorangetrieben wurde. Singer, dessen Investmentgesellschaft einen Anteil von rund 5 Milliarden US-Dollar hielt, hatte die Aufspaltung in drei unabhängige Einheiten forciert: Honeywell Aerospace, Honeywell Technologies sowie Solstice Advanced Materials.
Analysten bewerten Honeywell Aerospace nach Börsendebüt
Die neu entstandene Honeywell Aerospace steht unmittelbar nach dem Börsengang im Fokus der großen Investmentbanken. JPMorgan startete die Abdeckung des Titels mit einer „Neutral“-Einstufung und einem Kursziel von 255 US-Dollar. Analyst Seth Seifman begründete die zurückhaltende Einschätzung mit notwendigen Investitionen in die Lieferketten, die das kurzfristige Aufwärtspotenzial begrenzen könnten. Dennoch wird bis zum Jahr 2030 ein jährliches Umsatzwachstum von etwa 7 Prozent auf rund 25 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Die pro forma EBIT-Marge, die für 2026 auf einem stabilen Niveau von 24,5 Prozent erwartet wird, soll bis zum Ende des Jahrzehnts um etwa 200 Basispunkte steigen.
Deutlich optimistischer äußerten sich die Experten von Argus, die eine „Buy“-Empfehlung mit einem Kursziel von 275 US-Dollar aussprachen. Argus verwies auf die marktbeherrschende Stellung des Unternehmens: Komponenten von Honeywell Aerospace sind in etwa 90 Prozent der weltweiten Luftfahrtflotten verbaut und kommen auf mehr als 250 Plattformen zum Einsatz. Im Vergleich zur Peer-Group wird die Aktie derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 29 für das Jahr 2026 und 25 für das Jahr 2027 bewertet. Weitere Einschätzungen lieferten Morgan Stanley mit „Equal Weight“ ($255), Vertical Research mit „Hold“ ($243) und Jefferies ebenfalls mit „Hold“ ($235).
Strategische Neuausrichtung und Kapitalmaßnahmen
Parallel zur Abspaltung führte Honeywell International einen Aktiensplit im Verhältnis 1:2 durch, der zum 29. Juni 2026 wirksam wurde. Diese Maßnahme führte dazu, dass die Gewinnprognose je Aktie (EPS) für das zweite Halbjahr und das Gesamtjahr 2026 rechnerisch verdoppelt wurde, während die Umsatzprognosen unverändert blieben. Der Marktwert des Unternehmens spiegelt diese Transformation wider: Die Marktkapitalisierung beläuft sich aktuell auf 64,03 Milliarden Euro.
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt mit einer positiven Tendenz. Am Freitag schloss das Papier bei 198,90 Euro, was einem Tagesplus von 3,22 Prozent entspricht. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Wert damit einen Zuwachs von 19,78 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch wurde Ende Juni 2026 bei 225,10 Euro markiert, während das Tief im Oktober 2025 bei 160,94 Euro lag. Der aktuelle Kurs bewegt sich damit rund 3,03 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 193,06 Euro.
Fokus auf Verteidigung und autonome Systeme
Operativ setzt die abgespaltene Aerospace-Einheit verstärkt auf den Verteidigungssektor, der laut CEO Jim Currier bereits 40 Prozent des Umsatzes ausmacht. Um diese Position zu stärken, wurden Investitionen von mehr als einer Milliarde US-Dollar in Fertigungsanlagen angekündigt. Ein wichtiger Meilenstein in der technologischen Entwicklung ist die Kooperation mit Enigma Aerospace.
Die beiden Unternehmen unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Integration von Navigations- und Missionssystemen in die autonome Phoenix-Drohne. Ziel ist es, die Einsatzfähigkeit in Umgebungen mit gestörtem GPS-Empfang sicherzustellen. Dabei kommen spezialisierte Systeme wie der ONEBOX-Flugcontroller und VersaWave SATCOM zum Einsatz. Mit über 36.000 Mitarbeitern und einem Kundenstamm von mehr als 10.000 Abnehmern bleibt das Luftfahrtgeschäft das Rückgrat der neuen Konzernstruktur, während die Muttergesellschaft Honeywell International ihre Position im Bereich des Schutzes gegen chemische, biologische und nukleare Gefahren (CBRN) weiter ausbaut.
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