Honeywell Aktie: Dreiteilung vollzogen, Bewertungsfrage offen

Die Dreiteilung des Industriekonzerns ist abgeschlossen. Analysten bewerten die neuen Einheiten HON und HONA mit unterschiedlichen Kurszielen.

Auf einen Blick:
  • Honeywell Aerospace startet als HONA
  • Elliott trieb die Zerschlagung voran
  • Analysten sehen Chancen und Risiken
  • HON-Aktie legte 2025 bereits zu

Aus einem Mischkonzern sind heute drei fokussierte Unternehmen geworden. Mit dem Börsenstart von Honeywell Aerospace unter dem Kürzel HONA ist die Aufspaltung des einstigen Industrieriesen abgeschlossen — angestoßen von außen, vollzogen in weniger als zwei Jahren.

Elliott drückte aufs Tempo

Den entscheidenden Impuls gab Elliott Investment Management, der Ende 2024 mit rund fünf Milliarden Dollar bei Honeywell einstieg und die Zerschlagung forderte. Das Argument war simpel: Die Einzelteile seien mehr wert als der Konzern. Anfang 2025 gab das Management nach. CEO Vimal Kapur formulierte es strategisch — Luftfahrt und Automatisierung hätten schlicht zu unterschiedliche Anforderungen, um sie unter einem Dach optimal zu führen.

Das Ergebnis: Honeywell Technologies (HON) bündelt Gebäude-, Prozess- und Industrieautomatisierung und peilt für 2026 rund 20 Milliarden Dollar Umsatz sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 3,95 bis 4,15 Dollar an. Honeywell Aerospace (HONA) übernimmt das Luftfahrt- und Verteidigungsgeschäft, das 2025 mehr als 17 Milliarden Dollar Umsatz erzielte. Die Spezialmaterialsparte war bereits im Oktober 2025 als Solstice Advanced Materials ausgegliedert worden. Je zwei alte HON-Aktien ergaben eine HONA-Aktie; parallel dazu vollzog der Konzern einen Reverse Split im Verhältnis 1:2.

Höhere Multiples als Versprechen — nicht als Garantie

HONA rückt sofort in S&P 500 und S&P 100 auf, was Indexfonds technisch zu Käufen zwingt und den Handelseinstieg stützt. Analysten hatten das Luftfahrtgeschäft Anfang 2025 auf 90 bis 120 Milliarden Dollar taxiert und sahen den damaligen Konzern mit Bewertungsabschlag behaftet. Die Hoffnung: Fokussierte Unternehmen erhalten höhere Multiplikatoren als Konglomerate.

Das Analystenbild fällt zur Stunde jedoch gespalten aus. RBC startete die Beobachtung mit einem Kursziel von 300 Dollar und einer Kaufempfehlung. TD Cowen ist zurückhaltender — die Bank initiierte mit „Hold“ und einem Kursziel von 250 Dollar. Begründung: Das operative Gewinnwachstum dürfte den Umsatzzuwachs nur um ein bis zwei Prozentpunkte übertreffen, was hinter führenden Wettbewerbern zurückbleibt. Hinzu kommt eine Nettoverschuldung von rund 3,1x EBITDA zum Spinoff-Zeitpunkt, die aggressive Kapitalrückflüsse oder größere Übernahmen vorerst begrenzt.

Die historische Erfahrung mit Spin-offs mahnt zur Nüchternheit: Ein Indexfonds auf Abspaltungen hinkte dem Gesamtmarkt über das vergangene Jahrzehnt im Schnitt hinterher. Und ein Teil des Bewertungsabschlags bei Honeywell hatte strukturfremde Ursachen — vor allem die schwächelnde Industrieautomatisierung, deren Nachfrage nach dem Pandemieboom spürbar abflaute. Die HON-Aktie hat seit Jahresbeginn bereits rund 19 Prozent zugelegt, womit der Markt vieles von der Phantasie vorweggenommen hat. Ob HONA eigenständig liefert, entscheidet sich damit weniger an der Struktur als an der operativen Ausführung in den kommenden Quartalen.

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