Am zweiten Tag im DAX erwischt es Hochtief eiskalt. Die Aktie des Essener Baukonzerns verliert am Dienstag massiv an Wert. Der Kurs rutscht um 6,14 Prozent auf 497,00 Euro ab. Das ist ein harter Kontrast zur Feierstimmung vom Montag. Damals ersetzte das Unternehmen die Porsche SE in der obersten deutschen Börsenliga.
Das klassische DAX-Paradoxon
Marktbeobachter sprechen von einem typischen Muster. Vor der Indexaufnahme kaufen Fondsmanager die Aktie massenhaft ein. Sie müssen ihre Portfolios an den neuen DAX anpassen. Meldet die Börse dann Vollzug, nehmen viele Investoren ihre Gewinne direkt wieder mit. Genau das passiert jetzt.
Ein zweiter Faktor verschärft die Lage. Der spanische Großaktionär ACS hält rund 80 Prozent der Hochtief-Anteile. Es bleiben lediglich 20 Prozent im Streubesitz. Das Angebot an handelbaren Aktien ist also knapp. Schon normale Umschichtungen von Indexfonds lösen daher heftige Kursausschläge aus.
Parallel dazu drückt das schwache Marktumfeld auf die Stimmung. Der DAX fiel am Dienstag zeitweise unter die Marke von 25.000 Punkten. Schwache Vorgaben aus Asien belasten den gesamten Handel.
Operativ auf Rekordkurs
Der aktuelle Kursrutsch hat nichts mit dem operativen Geschäft zu tun. Hier glänzt der Konzern mit starken Zahlen. Das operative Nettoergebnis stieg im ersten Quartal um 30 Prozent auf 217 Millionen Euro. Obendrein meldet Hochtief einen historischen Auftragsbestand von gut 79 Milliarden Euro.
Drei Bereiche treiben das Wachstum derzeit massiv an:
* KI-Rechenzentren: Die US-Tochter Turner profitiert vom rasanten Ausbau der Server-Kapazitäten.
* Infrastruktur: Weltweit fließen Milliarden in neue Verkehrs- und Energienetze.
* Verteidigung: Wachsende Militärbudgets bringen zusätzliche Aufträge.
Der Vorstand hält Kurs. Für das Gesamtjahr plant das Management weiterhin mit einem operativen Ergebnis von bis zu einer Milliarde Euro.
Langfristiger Trend bleibt intakt
Wer den heutigen Rücksetzer einordnet, muss das große Bild betrachten. Seit Jahresbeginn steht bei der Hochtief-Aktie ein sattes Plus von knapp 47 Prozent auf der Anzeigetafel. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Kurs mit einem Zuwachs von 211 Prozent sogar mehr als verdreifacht.
Der Kurs notiert aktuell knapp über der 50-Tage-Linie von 486,29 Euro. Analysten sehen das durchschnittliche Kursziel derzeit bei rund 464 Euro. Der heutige Dämpfer baut somit lediglich einen Teil der enormen Gewinne ab. Das operative Fundament für die nächste Wachstumsphase steht bereits.
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