Der Essener Baukonzern Hochtief treibt seine strategische Neuausrichtung konsequent voran und setzt dabei verstärkt auf den Bereich der Energieinfrastruktur.
Mit dem Erwerb eines Spezialisten für Hochspannungs-Freileitungen sichert sich das Unternehmen wertvolles Know-how für die Dekarbonisierung der Stromnetze. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines Rekord-Auftragsbestandes und deutlich angehobener Wachstumsziele für das laufende Geschäftsjahr.
Spezialist für Hochspannungsleitungen verstärkt Konzern
Medienberichten zufolge übernimmt Hochtief die Autmatec GmbH, ein auf den Bau und die Instandhaltung von Hochspannungsleitungen spezialisiertes Unternehmen. Mit rund 80 Beschäftigten erwirtschaftet die Gesellschaft einen jährlichen Umsatz von etwa 50 Millionen Euro.
Auch wenn die Übernahme im Vergleich zum Gesamtumsatz des Konzerns klein erscheint, gilt sie als strategisch bedeutsam: Hochtief positioniert sich damit direkt im Wachstumsmarkt der Energiewende, in dem der Ausbau der Stromtrassen eine zentrale Rolle spielt. Das Vorhaben steht derzeit noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.
Diese Akquisition ist Teil einer breiteren M&A-Strategie, die der Konzern im bisherigen Jahresverlauf verfolgt. So investierte Hochtief bereits in Unternehmen wie Dornan, einen Dienstleister für europäische Rechenzentren, sowie in Firmen wie Novopro, MinSol und Prudentia Engineering, die auf die Verarbeitung kritischer Mineralien spezialisiert sind.
Zudem beteiligte sich der Baukonzern mit rund 169 Millionen Euro an Vulcan Energy, um den Zugang zu Lithiumvorkommen und nachhaltiger Energiegewinnung zu stärken.
Erhöhte Jahresziele nach Rekord-Halbjahr
Die Wachstumsstrategie spiegelt sich bereits in den operativen Kennzahlen wider. Wie das Unternehmen am 27. Juli bekannt gab, wurde die Guidance für den operativen Konzerngewinn im Jahr 2026 spürbar angehoben. Statt der ursprünglich erwarteten 950 bis 1.025 Millionen Euro prognostiziert das Management nun einen Wert von 1,1 Milliarden Euro. Dies entspräche einer Steigerung zum Vorjahr um 30 bis 40 Prozent.
Grundlage für diesen Optimismus ist ein starkes erstes Halbjahr. In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg der Umsatz währungsbereinigt um 13 Prozent auf 20,1 Milliarden Euro. Der operative Nettogewinn kletterte im selben Zeitraum um 35 Prozent auf 480 Millionen Euro.
Besonders beeindruckend entwickelte sich die Auftragslage: Mit einem währungsbereinigten Zuwachs bei den Neuaufträgen um 25 Prozent auf 31,5 Milliarden Euro erreichte der Auftragsbestand ein neues Rekordniveau von 85 Milliarden Euro.
Strategische Diversifizierung und Portfolio-Umbau
Neben den Zukäufen im Energiesektor hat Hochtief wichtige Schritte zur Vereinfachung der Konzernstruktur unternommen. Am 1. Juli schloss das Unternehmen den Buyout der Minderheitsanteile an Thiess ab. Ab dem Jahr 2027 wird hieraus ein jährlicher Gewinnbeitrag von rund 80 Millionen Euro erwartet.
Parallel dazu partizipieren die Aktionäre am Erfolg: Für das Geschäftsjahr 2025 wurde im Juli eine Dividende von 6,60 Euro je Aktie ausgeschüttet, was einer Steigerung von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprach.
An der Börse wurde die Entwicklung der letzten Monate mit Interesse verfolgt. Nachdem die Aktie im August kurzzeitig an Schwung verlor, legte das Papier am heutigen Dienstag um 2,1 Prozent zu. Seit Jahresbeginn konnte der Wert damit bereits um 32 Prozent ansteigen.
Trotz dieser positiven Entwicklung notiert der Kurs derzeit noch mit einem Abstand von 20 Prozent unter dem am 6. Mai erreichten 52-Wochen-Hoch. Analysten sehen für den Wert weiteres Potenzial; zum Stand vom 31. August lag das durchschnittliche Kursziel der Experten bei 482,00 Euro.
Anleger blicken nun gespannt auf den 5. November. An diesem Tag wird Hochtief den Zwischenbericht für die ersten neun Monate des Jahres 2026 vorlegen und im Rahmen einer Analystenkonferenz weitere Details zur operativen Umsetzung der neuen Projekte im Infrastruktur- und Energiesektor erläutern.
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