Besseres Ergebnis, schwacher Kurs — bei H&M passen Zahlen und Kursreaktion nicht zusammen. Der Modekonzern hat im dritten Quartal operativ deutlich mehr verdient als erwartet, trotzdem fiel die Aktie in den ersten Handelsminuten um fast vier Prozent auf 160 schwedische Kronen. Damit rückt der Titel wieder in Richtung seines Jahrestiefs von gut 156 Kronen.
Zölle verzerren das Bild
Der Umsatz kletterte im Quartal von Juni bis August auf 57,2 Milliarden schwedische Kronen, währungsbereinigt ein Plus von einem Prozent. Die Bruttomarge stieg von 52,9 auf 54,0 Prozent, das operative Ergebnis sprang von 4,91 auf 6,04 Milliarden Kronen — deutlich über dem Analystenkonsens von rund 5,14 Milliarden.
Ein gutes Stück des Gewinnsprungs stammt allerdings aus einem Einmaleffekt. Rückzahlungen zu viel gezahlter US-Zölle steuerten rund 1,6 Prozentpunkte zur operativen Marge bei. Konzernchef Daniel Ervér stellte in der Telefonkonferenz klar, dass mit weiteren Erstattungen dieser Art nicht zu rechnen ist.
Genau diese fehlende Wiederholbarkeit dürfte Investoren nervös gemacht haben, zusammen mit hohen Lagerbeständen, die RBC-Analyst Richard Chamberlain kritisch ansprach, und einer Bruttomarge, die aus Sicht von JPMorgan-Analystin Georgina Johanna hinter den Erwartungen zurückblieb.
Regional bleibt das Bild gespalten. Die Nordics liefern starkes Wachstum, auch die Portfoliomarken wie COS legten mit drei Prozent in lokalen Währungen zu. Westeuropa dagegen bremst weiter — in Deutschland und Großbritannien halten hohe Rabattaktionen und zurückhaltende Konsumenten die Erlöse unten.
Für das vierte Quartal rechnet das Management zudem mit steigenden Frachtkosten und höheren Preisnachlässen, unter anderem weil der Cyber Monday dieses Jahr in den November statt in den Dezember fällt.
Die Persson-Familie baut ihre Position aus
Neben den Zahlen rückt die Eigentümerstruktur in den Fokus. Stefan Persson und verbundene Gesellschaften hielten Ende August mehr als 68 Prozent der H&M-Aktien, zusammen mit dem Familienzweig um Lottie Tham kommen die Perssons auf knapp 74 Prozent des Kapitals und rund 88 Prozent der Stimmrechte. Allein die Persson-Holding Ramsbury Invest kaufte seit Jahresbeginn 36,8 Millionen Aktien hinzu.
Das nährt Spekulationen über einen schrittweisen Rückzug von der Börse. Nach schwedischem Recht können Großaktionäre ab einem Anteil von 90 Prozent den Zwangskauf der übrigen Anteile durchsetzen.
Ein konkretes Angebot oder ein eingeleitetes Verfahren gibt es bislang nicht — Ramsbury äußerte sich lediglich dahingehend, die Familie glaube langfristig an das Unternehmen und habe ihren Anteil historisch stets erhöht. Deutsche-Bank-Analyst Adam Cochrane hält einen Börsenrückzug bis 2030 für möglich.
Für die kommenden Quartale bleibt der Fokus auf der Frage, wie viel von der Margenverbesserung ohne den Zolleffekt tatsächlich trägt. Das Unternehmen hält an seinem langfristigen Zielkorridor von 54 bis 55 Prozent Bruttomarge und 10 Prozent operativer Marge fest, während ERP-Investitionen die Kostenseite noch bis 2028 belasten sollen.
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