Ein angehobener Umsatzausblick, der eigentlich Freude auslösen sollte, und trotzdem gaben die Aktien von Hims & Hers Health nach. Der Telemedizin-Anbieter hob seine Jahresprognose deutlich an, doch ein größer als erwarteter Quartalsverlust drückte die Papiere im nachbörslichen Handel um 5,5 Prozent.
Starke Umsätze, schwache Bilanz
Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen nun mit einem Erlös zwischen 3,1 und 3,3 Milliarden Dollar und liegt damit klar über den Schätzungen der Wall Street. Auch der Umsatz des zweiten Quartals fiel mit 753,2 Millionen Dollar besser aus als gedacht. Das Problem steckt in den Kosten. Die gesamten Betriebsausgaben schnellten um 48 Prozent nach oben, die Kosten des Umsatzes verdoppelten sich mehr als. Unter dem Strich stand ein Verlust von 37 Cent je Aktie, weit mehr als die von Analysten erwarteten 5 Cent.
Der schwierige Umbau des Geschäfts
Hims steckt mitten in einem Strategiewechsel. Das Unternehmen war groß geworden, als es während der Lieferengpässe bei Abnehmmitteln wie Wegovy eigene, nicht markengeschützte Varianten des Wirkstoffs Semaglutid anbot. Nach einer Einigung mit dem Hersteller Novo Nordisk stellt Hims diese Eigenproduktion nun ein und verkauft stattdessen zugelassene Markenpräparate. Dieser Umbau kostet Geld und dürfte weitere Belastungen mit sich bringen. Die Hoffnung vieler Beobachter richtet sich auf den aufkommenden Markt für sogenannte Peptide, für den die Regulierung sich lockern könnte.
Hims & Hers Health Registered (A) Aktie Chart
KI-Erzählung gegen juristische Realität
Das Management lenkte den Blick auffällig stark auf Künstliche Intelligenz und verwies auf einen neuen, ärztlich begleiteten KI-Motor sowie auf internationales Wachstum nach der Übernahme eines australischen Anbieters. Doch diese Technikbotschaft überdeckt nicht die rechtlichen Baustellen. Hims verbuchte 47,5 Millionen Dollar an Rückstellungen für mögliche Vergleiche und Verfahren. Kurz zuvor hatten die US-Handelsbehörde FTC und mehrere Bundesstaaten das Unternehmen wegen fragwürdiger Datenschutz- und Abrechnungspraktiken verklagt. Hims wies die Vorwürfe zurück.
So bleibt ein zwiespältiges Bild. Auf der einen Seite ein Umsatz, der schneller wächst als gedacht, auf der anderen Seite steigende Kosten, ein teurer Umbau und juristischer Gegenwind. Ob der optimistische Ausblick trägt oder ob die Lasten schwerer wiegen, muss sich erst noch zeigen.
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