Es gibt Klagen, die kommen aus dem Nichts. Und es gibt Klagen, die kommen nach fast drei Jahren Ermittlungen. Die FTC-Klage gegen Hims & Hers Health gehört zur zweiten Kategorie, was sie nicht weniger schmerzhaft macht: Die Aktie rauschte am Mittwoch um gut 12 Prozent auf 25,75 USD nach unten.
Was die FTC dem Unternehmen vorwirft
Der Kern der Klage ist dreigeteilt. Erstens: Hims & Hers soll Nutzerdaten, konkret Kundenlisten und das Verhalten von Website-Besuchern, an Werbeplattformen wie Meta und Snap weitergegeben haben, obwohl das Unternehmen seinen Nutzern Datenschutz versprochen hatte. Zweitens: Patienten wurden demnach bereits nach dem Ausfüllen eines medizinischen Fragebogens belastet, noch bevor ein Arzt überhaupt einen Blick auf den Fall geworfen hatte. Drittens: Der Kündigungsprozess sei so gestaltet, dass er Nutzer davon abhalte, rechtzeitig vor dem nächsten Abrechnungszyklus auszusteigen. Der Kündigen-Button sei schlicht versteckt.
Mitgeklagt haben der Bundesstaat Utah und Los Angeles County, was dem Verfahren ein politisches Gewicht gibt, das über eine reine Bundesbehörden-Initiative hinausgeht.
15 Millionen zurückgestellt, und das war wohl zu wenig
Hims & Hers hatte im Mai bereits 15 Mio. USD für einen wahrscheinlichen Verlust aus dem Verfahren zurückgestellt. Gleichzeitig wies das Unternehmen darauf hin, dass die endgültigen Kosten höher ausfallen könnten. Nun ist die außergerichtliche Einigung offenbar gescheitert, die FTC reichte die Klage ein.
Das Unternehmen selbst gibt sich kämpferisch. Die Klage stelle Fakten und Rechtslage falsch dar, trotz der im Verlauf von fast drei Jahren übermittelten Informationen. „Das ist keine Durchsetzung zum Schutz der Verbraucher; es ist ein Versuch, auf unsere Kosten Schlagzeilen zu produzieren“, so Hims & Hers in einer Stellungnahme.
Telemedizin-Pionier unter Beschuss
Das Timing ist nicht günstig. Hims & Hers hat sich in den vergangenen Jahren als einer der lautstärksten Akteure in der Telemedizin positioniert, besonders im Bereich Adipositas-Behandlungen. Die regulatorische Aufmerksamkeit war dabei nie weit. Jetzt ist sie direkt vor der Tür.
Die Aktie liegt damit nicht nur 12 Prozent tiefer als am Dienstag, sondern auch rund 21 Prozent unter dem Jahresanfangskurs. Ob 15 Millionen reichen, wird sich zeigen. Dass sie nicht reichen, hat das Unternehmen selbst schon eingeräumt.
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