Zehn Milliarden Euro Auftragsbestand, Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich, ein fast verdoppelter Auftragseingang – und trotzdem findet die Hensoldt-Aktie keinen Boden. Der Kurs notiert aktuell bei 77,51 Euro, ein Drittel unter dem Rekordhoch von 117,70 Euro aus dem Oktober 2025. Die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursverlauf treibt derzeit viele Beobachter um.
Auftragsflut ohne Kursreaktion
Der Rüstungselektronik-Konzern liefert weiter am laufenden Band. Ein Auftrag vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr über 15 Millionen Euro zur Weiterentwicklung des Systems Optarion, das Hubschrauber wie Tiger und NH90 digital vernetzt, reiht sich ein in Meldungen zu einer Missionsplanungsstation bei einem NATO-Partner, zur Datenplattform MDOCore und zu einem zivilen Auftrag für ein elektrisches Lufttaxi. Der Kurs hat darauf zuletzt kaum reagiert.
Die Bilanzzahlen untermauern die operative Stärke. Im ersten Halbjahr stieg der Auftragseingang auf 2,812 Milliarden Euro, nahezu das Doppelte des Vorjahreswerts. Der Umsatz wuchs um 23,6 Prozent auf 1,167 Milliarden Euro, besonders kräftig zog das Optronik-Geschäft an, dessen Auftragseingang von 164 auf 971 Millionen Euro sprang. Für das Gesamtjahr hält Hensoldt an der Umsatzprognose von rund 2,75 Milliarden Euro fest.
Politische Zweifel wiegen schwerer als Auftragsmeldungen
Was den Kurs bremst, ist offenbar weniger das operative Geschäft als die Unsicherheit rund um künftige deutsche Verteidigungsbudgets. Nach der kräftigen Rüstungsrally der vergangenen Jahre fragen sich viele Investoren, wie tragfähig die politisch getriebene Nachfrage auf Dauer ist. Diese Zweifel scheinen an der Börse derzeit stärker zu wirken als einzelne positive Auftragsmeldungen.
Auch bei den Analysten herrscht keine Einigkeit. Morningstar stufte die Aktie zuletzt auf „Buy“ hoch, während MWB Research auf „Sell“ herunterging – die Kursziele der Analysten bewegen sich zwischen 90 und 96 Euro.
Charttechnisch bleibt die Lage angeschlagen: Der Kurs notiert unter dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt, letzterer verläuft bei 83,15 Euro. Erst ein nachhaltiger Anstieg über diese Marke würde die Aktie technisch wieder in den Aufwärtstrend heben. Bleibt dieser Widerstand unbezwungen, reicht das Rückschlagpotenzial nach unten bis in die Zone von 65 bis 70 Euro.
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