Weniger Verlust, mehr Umsatz, ein Rekord-Auftragsbuch — und trotzdem geht es an der Börse abwärts. Bei Hensoldt klaffen operative Fortschritte und Kursreaktion am Freitag deutlich auseinander. Der Sensor- und Radarspezialist legte starke Halbjahreszahlen vor, Anleger reagierten dennoch mit Verkäufen.
Auftragsbuch auf Rekordniveau
Die europäische Aufrüstung treibt Hensoldt weiter an. Im ersten Halbjahr verdoppelte sich der Auftragseingang auf 2,8 Milliarden Euro, getrieben von Beschaffungsprogrammen der Bundeswehr und Bestellungen aus anderen europäischen Staaten. Der gesamte Auftragsbestand erreichte damit einen Rekordwert von 10,4 Milliarden Euro.
„Die politischen Entscheidungen für höhere Verteidigungsausgaben konkretisieren sich nun in unserem Auftragsbuch“, sagte Vorstandschef Oliver Dörre bei der Vorlage der Zahlen in Taufkirchen. Aus seiner Sicht kommt es jetzt auf die industrielle Umsetzung an — Hensoldt müsse Radare und optische Systeme schnell genug in der nötigen Stückzahl liefern. Besonders kräftig entwickelte sich das Optronik-Geschäft dank Großaufträgen für die Panzermodelle Puma und Schakal, dazu kamen Vertragserweiterungen für Eurofighter-Radare und Bestellungen für die in der Ukraine eingesetzten TRML-4D-Flugabwehrradare. Der Auftragsschub dämpft zugleich Sorgen, die nach dem Verlust des deutschen Fregattenprogramms F126 aufgekommen waren, für das Hensoldt ursprünglich Radare liefern sollte.
Operative Verbesserung auf breiter Front
Auch die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt Fortschritte. Der Umsatz stieg um 23,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, das bereinigte Ebitda kletterte um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro. Die entsprechende Marge verbesserte sich leicht auf 11,8 Prozent.
Der Nettoverlust schrumpfte deutlich: Er lag bei 11 Millionen Euro nach 42 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte freie Cashflow blieb mit minus 136 Millionen Euro zwar negativ, verbesserte sich aber gegenüber dem Vorjahreswert von minus 181 Millionen Euro — unterstützt durch höhere Kundenanzahlungen.
Kurs dreht ins Minus
An der Börse reichte das nicht. Nach einem kurzen Plus drehte die Aktie deutlich ins Minus und verlor zeitweise rund sechs Prozent. Damit endete vorerst die Erholung der vergangenen Wochen, in denen sich der Kurs von einem Tief bei rund 64 Euro im Juni bis auf 86 Euro nach oben gearbeitet hatte. Vom Rekordhoch von knapp 118 Euro aus dem vergangenen Herbst bleibt das Papier weiterhin klar entfernt.
Für das Gesamtjahr hält Hensoldt an seinen Zielen fest: Der Umsatz soll auf etwa 2,75 Milliarden Euro steigen, die bereinigte operative Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent liegen. Damit müsste die Profitabilität im zweiten Halbjahr noch deutlich anziehen — Hensoldt verweist darauf, dass Auslieferungen und Abnahmen traditionell im späteren Jahresverlauf und besonders im vierten Quartal konzentriert sind.
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