Manchmal reicht selbst ein Rekord nicht aus. Hensoldt hat am Freitag in Taufkirchen Halbjahreszahlen präsentiert, die sich wirklich sehen lassen: Auftragseingang verdoppelt, Umsatz um knapp 24 Prozent gestiegen, bereinigtes EBITDA sogar um 28,5 Prozent. Und dennoch gibt die Hensoldt-Aktie heute mehr als 5 Prozent nach. So ist das eben an der Börse.
10 Milliarden Euro Auftragsbestand
Die Zahl, die CEO Oliver Dörre am Freitag wohl am liebsten in den Vordergrund gestellt hat: 10,4 Milliarden Euro Auftragsbestand, erstmals in der Unternehmensgeschichte über der 10-Milliarden-Marke. Im ersten Halbjahr allein buchte Hensoldt Aufträge im Wert von 2,8 Milliarden Euro, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Darunter Eurofighter-Radare, TRML-4D-Luftabwehrradare, die auch in der Ukraine eingesetzt werden, sowie Großaufträge für die Optronik des Schützenpanzers Puma und des Radpanzers Schakal.
Dörre fasste es knapp zusammen: „Politische Entscheidungen für höhere Verteidigungsausgaben materialisieren sich nun in unserem Auftragsbuch. Jetzt wird die industrielle Umsetzung darüber entscheiden, wie schnell das in echte Fähigkeiten umgewandelt wird.“
Zahlen besser als erwartet, aber…
Umsatz von 1,17 Milliarden Euro im ersten Halbjahr, bereinigtes EBITDA von 137 Millionen Euro, Marge von 11,8 Prozent nach 11,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten laut Marktkommentaren sogar etwas weniger erwartet. Der operative Cashflow verbesserte sich ebenfalls: Das bereinigte Free Cashflow-Minus schrumpfte von 181 auf 136 Millionen Euro, weil Hensoldt zunehmend Vorauszahlungen einfordert.
Besonders stark lief das Optronik-Segment, auch das Sensorgeschäft zog gut mit. Die Nachfrage kommt nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Europa. Die Wiederaufrüstung der NATO-Mitglieder ist halt kein Trend mehr, sondern harte Auftragslage.
Jahresziele unangetastet
Hensoldt bestätigt die Prognose für das Gesamtjahr: rund 2,75 Milliarden Euro Umsatz, bereinigte EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19 Prozent. Das bedeutet, dass die Marge in der zweiten Jahreshälfte, vor allem im vierten Quartal, deutlich zulegen muss. Das ist bei Rüstungsunternehmen strukturell so, Lieferungen und Abnahmen konzentrieren sich traditionell auf das Jahresende.
Die Aktie interessiert das heute wenig. Von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 117,70 Euro ist die Hensoldt-Aktie ohnehin schon weit entfernt. Wer auf den nächsten Katalysator wartet, notiert sich den 29. Oktober im Kalender, dann kommen die Quartalszahlen. Bis dahin liefert der Auftragsbestand zumindest keinen Grund zur Sorge.
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