Pistorius reist nach Oberkochen, und Hensoldt legt an der Börse zu. Der Verteidigungsminister weiht dort einen neuen Hightech-Standort ein. Für die Aktie ist es der jüngste Baustein einer kräftigen Erholung.
Am Montag schloss das Papier bei 82,86 Euro, ein Plus von 4,49 Prozent. Über sieben Handelstage steht ein Zuwachs von 8,31 Prozent zu Buche, über 30 Tage sogar 21,07 Prozent.
Neuer Campus für 300 Millionen Euro
Auslöser der guten Stimmung ist die offizielle Eröffnung des neuen Hensoldt-Campus in Oberkochen am 23. Juli. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kam dafür persönlich vorbei, gemeinsam mit der Unternehmensspitze.
Der neue Standort bündelt Entwicklung, Fertigung und Integration optronischer Systeme an einem Ort. Rund 900 Beschäftigte arbeiten künftig dort. Hensoldt hat für den Bau etwa 300 Millionen Euro investiert, davon rund 100 Millionen Euro für das Gebäude und weitere 200 Millionen Euro für Fertigungsanlagen und Ausstattung.
Hensoldt Optronics hatte bereits 2022 mit dem Bau begonnen. Der Grund für den Ausbau: Die Nachfrage aus Deutschland und von NATO-Partnern bleibt hoch, und die bestehenden Kapazitäten reichen nicht mehr aus.
Radar, KI und ein Kampfjet-Modell
Im Zentrum des Ministerbesuchs standen moderne Verteidigungstechnologien. Gezeigt wurden das Hochleistungsradar TRML-4D und der MDOcore Battle-Truck. Die Software-Plattform MDOcore fasst Daten unterschiedlicher Sensoren und Waffensysteme zusammen und erstellt innerhalb weniger Sekunden ein komplettes Lagebild.
Auch Partner Helsing war vor Ort und präsentierte ein Modell des unbemannten Kampfjets CA-1 Europa. CEO Oliver Dörre nannte den Standort bei der Eröffnung „optronic valley“ und betonte die lange Tradition der Präzisionsfertigung in der Region. Pistorius selbst zeigte sich beeindruckt von der Innovationskraft der Ostalb-Region um Oberkochen.
Erholung mit Substanz, aber Rückstand bleibt
Die Aktie hat einen harten Weg hinter sich. Erst am 26. Juni war sie auf ein 52-Wochen-Tief von 63,12 Euro gefallen, seither hat sie sich um mehr als 31 Prozent erholt. Zum Rekordhoch vom Oktober 2025 bei 115,10 Euro fehlen dennoch weiterhin rund 28 Prozent.
Charttechnisch hat das Papier zuletzt wichtige Marken zurückerobert. Sowohl der 50-Tage-Durchschnitt bei 77,01 Euro als auch der 200-Tage-Durchschnitt bei 78,72 Euro liegen inzwischen unter dem aktuellen Kurs — ein Signal für den intakten kurzfristigen Aufwärtstrend.
Der neue Campus in Oberkochen ist mehr als eine symbolische Geste. Er zeigt, dass Hensoldt seine Kapazitäten konkret auf die anhaltend hohe Auftragslage aus Bundeswehr und NATO ausrichtet. Wie sich das in den Zahlen niederschlägt, wird die anstehende Berichtssaison zeigen — mit rund 9.500 Mitarbeitenden und einem Umsatz von zuletzt 2,46 Milliarden Euro bringt der Konzern dafür die Substanz mit.
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