Hensoldt erhält von der Bundeswehr einen neuen Digitalisierungsauftrag – und rückt zugleich als Partner in ein europäisches Rüstungsgroßprojekt vor. Für Anleger, die zuletzt vor allem den fallenden Kurs beobachteten, liefern beide Meldungen vom heutigen Donnerstag Hinweise darauf, wie breit das Unternehmen im europäischen Verteidigungsgeschäft mittlerweile verankert ist.
Neuer Bundeswehr-Auftrag zur Vernetzung von Hubschraubern
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat Hensoldt mit der Weiterentwicklung des Optarion-Mission-Support-Systems beauftragt.
Das Volumen liegt bei 15 Millionen Euro. Ziel ist es, Hubschraubermuster wie Tiger, NH90 und CH-53GA an das digitale Gefechtsfeldmanagement anzubinden – ohne dass an der Flugzeugkonfiguration selbst etwas verändert werden muss.
Zwei Optarion-Versionen waren bereits 2025 entstanden, eine internationale Variante als Mission Planning Ground Station ist zudem bereits an NATO-Kunden ausgeliefert worden. Der Auftrag zeigt, dass Hensoldt im Bereich Vernetzung militärischer Plattformen über die reine Sensorik hinaus Kompetenzen aufgebaut hat, die bei Bestandsflotten gefragt sind.
Partnerschaft am Raketenabwehrprojekt Freyja
Parallel dazu treibt die Ukraine gemeinsam mit europäischen Partnern das Raketenabwehrprojekt Freyja voran. Laut Dawyd Aloian, dem stellvertretenden Sekretär des ukrainischen Nationalen Sicherheitsrats, soll bis zur ersten Jahreshälfte 2027 ein Prototyp entstehen, der ballistische Raketen abfangen und die Abhängigkeit von US-amerikanischen Patriot-Systemen verringern kann.
Die Ukraine würde Startwerfer und Abfangflugkörper beisteuern, während Radar-, Sensor- und Lenktechnik von europäischen Herstellern kommen soll – neben Eurosam, Leonardo, Thales und Saab ist auch Hensoldt Teil der Vereinbarung. Die industrielle Führung liegt bei Fire Point.
Angestoßen wurde die Initiative bei einem Gipfeltreffen in Paris mit rund zehn europäischen Staaten und etwa zwölf Rüstungsunternehmen; am Mittwoch trafen sich der ukrainische Präsident Selenskyj und Norwegens Ministerpräsident Støre in Oslo mit Vertretern der europäischen Verteidigungsindustrie, um über das Vorhaben zu beraten.
Auch bei Datenfusion und Funkstandards gefragt
Hensoldt taucht derzeit gleich in mehreren strategischen Verteidigungsprojekten auf. Die Bundeswehr prüft laut Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur des Cyber- und Informationsraums, Software von 30 Unternehmen für eine Palantir-Alternative zur Echtzeit-Datenfusion – ein Prototyp wird für das zweite Quartal 2027 angestrebt, Hensoldt gehört gemeinsam mit Helsing und dessen Produkt MDOCore zu den Favoriten.
Zudem hat die europäische Beschaffungsorganisation OCCAR im Juli einen rund 93 Millionen US-Dollar schweren Vertrag mit dem EuroMIDS-Konsortium – bestehend aus Indra, Hensoldt, Leonardo und Thales – zur Weiterentwicklung des Funkstandards ESSOR MIDS unterzeichnet, mit Laufzeit bis 2028.
Kursbild bleibt angeschlagen
Von dieser Auftragsdichte zeigt sich der Kurs bislang unbeeindruckt. Die Aktie notiert bei 78,16 Euro und damit rund 34 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro aus dem Oktober. Auf Monatssicht steht ein Minus von 14 Prozent zu Buche, der Titel liegt auch unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 83,27 Euro.
Seit Jahresbeginn verbleibt mit 6,5 Prozent dennoch ein Plus. Die jüngste Schwäche spiegelt eher die allgemein angespannte Stimmung gegenüber europäischen Rüstungswerten wider als eine Neubewertung der operativen Aussichten von Hensoldt – die Auftragslage des Unternehmens liefert derzeit keine Belege für eine fundamentale Eintrübung.
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