Hensoldt Aktie: mwb sieht 30 Prozent Rückschlag

Hensoldt erhält von mwb research eine Verkaufsempfehlung mit Kursziel 62 Euro. Die hohe Bewertung im Vergleich zu Rheinmetall und politische Risiken belasten die Aktie.

Auf einen Blick:
  • Verkaufsempfehlung mit Kursziel 62 Euro
  • KGV von 40 deutlich über Rheinmetall
  • Politische Verzögerungen als Risikofaktor
  • Software-Strategie erst langfristig wirksam

Nach dem Dividendenabschlag gerät Hensoldt von zwei Seiten unter Druck. Charttechnik und Fundamentalbewertung senden gleichzeitig Warnsignale — und ein Analysehaus sieht fast 30 Prozent Rückschlagpotenzial.

KGV doppelt so hoch wie beim schneller wachsenden Rivalen

mwb research hält an seiner Verkaufsempfehlung fest. Das Kursziel liegt bei 62 Euro — weit unter dem aktuellen Kurs von 84,12 Euro, der heute erneut um 1,5 Prozent nachgibt.

Das Kernargument der Analysten: Hensoldt ist im Branchenvergleich schlicht zu teuer. Rheinmetall wächst mit 36 Prozent Umsatzzuwachs mehr als doppelt so schnell wie Hensoldt mit 16 Prozent. Trotzdem wird Rheinmetall für 2027 mit einem KGV von rund 22 bewertet. Hensoldt kommt auf etwa 40. Diese Lücke lässt sich fundamental kaum rechtfertigen.

Operativ läuft es dabei gar nicht schlecht. Der Auftragsbestand erreichte im ersten Quartal 2026 mit 9,8 Milliarden Euro einen Rekordwert. Das Problem ist nicht die Gegenwart — es sind die Erwartungen für die Zukunft, die im Kurs stecken.

Politische Verzögerungen, unterschätztes Zyklusrisiko

Ein großer Teil des Geschäfts hängt an Optronik und Sensoren für Großplattformen wie Puma, Luchs oder Leopard. Beschaffungsentscheidungen für gepanzerte Fahrzeuge folgen politischen Prozessen. Budgetverzögerungen treffen Hensoldt direkt — und dieser Hebel sei im aktuellen Kurs nicht angemessen eingepreist, so mwb research.

Als weiteres Warnsignal wertet das Analysehaus den Teilverkauf der KNDS-Beteiligung am Panzerzulieferer Renk. Das Signal: Auch im Panzersektor selbst schwindet das Wachstumsvertrauen.

Software-Story zu früh eingepreist

Viele Anleger setzen auf „Software-Defined Defence“ als Wachstumstreiber. Kooperationen mit dem KI-Unternehmen Helsing, das Projekt „BattleLab“ und eine souveräne Cloud klingen überzeugend. Die Analysten zweifeln nicht an der Strategie — wohl aber am Timing.

Bis 2030 wird der softwarebasierte Umsatz voraussichtlich unter 10 Prozent des Konzernumsatzes bleiben. Eine echte Technologieprämie sei erst dann gerechtfertigt, wenn dieser Anteil deutlich über 30 Prozent steigt. Davon ist Hensoldt noch weit entfernt.

Charttechnik: Unterstützung hält — noch

Nach dem Ex-Tag am 25. Mai verlor die Aktie deutlich mehr als den reinen Dividendenabschlag von 0,55 Euro. Gewinnmitnahmen verstärkten den Rückgang. Aktuell notiert der Kurs knapp über der charttechnischen Ausbruchszone zwischen 83,40 und 85,36 Euro — der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 83,81 Euro und deckt sich damit fast exakt mit dieser Zone.

Fällt diese Unterstützung, rückt die nächste relevante Marke bei rund 79,67 Euro ins Bild. Das wäre ein weiterer Rückgang von gut fünf Prozent vom heutigen Niveau.

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