Fast 500 Prozent in fünf Jahren. Das ist keine Übertreibung, das ist der Kursverlauf der Hensoldt-Aktie seit 2021. Und wer jetzt denkt, das sei einfach der Rückenwind der Zeitenwende gewesen, liegt nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.
Vom Airbus-Anhängsel zum Rüstungs-Liebling
Hensoldt war ursprünglich die Militär-Elektroniksparte von Airbus, erwirtschaftete damals schon rund eine Milliarde Euro Umsatz und wurde 2017 an den Finanzinvestor KKR verkauft. Der gab dem Unternehmen seinen heutigen Namen. Nach dem Börsengang 2020 stieg der deutsche Staat mit 25,1 Prozent ein, der italienische Konzern Leonardo kurz darauf mit einem gleich großen Anteil.
Das Kerngeschäft ist überschaubar: rund 83 Prozent des Umsatzes entfallen auf Sensoren und damit verbundene Dienstleistungen, 17 Prozent auf Optoelektronik. Der Krieg in der Ukraine rückte vor allem das Radarsystem TRML-4D ins Rampenlicht, das in Flugabwehrsysteme integriert wird und sich zum wichtigsten Einzelprodukt des Konzerns entwickelt hat.
Operativ solide, aber nicht spektakulär
Das Wachstum ist da, keine Frage. Seit 2021 legt der Umsatz mit rund 15 Prozent pro Jahr zu, die EBITDA-Marge verharrt stabil bei etwa 12,5 Prozent. Im ersten Quartal hat Hensoldt den Wert seines Auftragsbestands verdoppelt, das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 3x nach 1,8x im Vorjahr. Operativ scheint das Unternehmen also auf Kurs.
Doch die Übernahme von ESG im Jahr 2024 hat die Bilanz belastet. 675 Millionen Euro, überwiegend kreditfinanziert, die Nettoverschuldung stieg auf 728 Millionen Euro. Das ist kein Drama, aber ein Faktor, den man nicht übersehen sollte.
Der Preis für Optimismus
Und dann ist da eben die Bewertung. Ein KGV von 52,8x auf Basis der erwarteten 2026er-Gewinne ist kein Schnäppchen. Bis 2028 soll dieses Verhältnis dank prognostizierter Ergebnissteigerungen auf 26,2x sinken, aber das setzt voraus, dass der außergewöhnliche Rüstungszyklus auch über 2028 hinaus anhält. Der Markt hat die perfekte Entwicklung der nächsten Jahre bereits eingepreist.
Wie anspruchsvoll das Umfeld geworden ist, zeigte das erste Quartal eindrücklich: solide Zahlen, trotzdem verlor die Aktie rund 2,5 Prozent. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt zwar noch bei 91,17 Euro, doch die Kursziele wurden in den vergangenen Monaten tendenziell gesenkt.
Barometer, kein Schnäppchen
Hensoldt ist ein gutes Unternehmen in einem starken Zyklus. Aber wer heute einsteigt, kauft nicht die Vergangenheit, sondern die Erwartung, dass alles weiterhin so gut läuft wie zuletzt. In den kommenden Monaten dürfte die Aktie vor allem eines bleiben: ein Börsenbarometer für die weltweite Aufrüstung. Mit allem, was das bedeutet, wenn die Erwartungen einmal nicht erfüllt werden.
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