Der Verteidigungselektronik-Spezialist Hensoldt hat im ersten Halbjahr 2026 einen massiven Sprung bei den Auftragseingängen verzeichnet. Medienberichten zufolge kletterte der Wert der Neubestellungen auf 2,8 Milliarden Euro, was einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.
Dieser Zuwachs hievte den gesamten Auftragsbestand auf den Rekordwert von 10,4 Milliarden Euro. Damit spiegelt die Entwicklung bei dem MDAX-Konzern den breiteren Trend einer deutlich steigenden Nachfrage im europäischen Verteidigungssektor wider.
Eurofighter-Modernisierung als Wachstumsmotor
Ein wesentlicher Treiber für das volle Orderbuch ist die Modernisierung der Radar-Systeme für den Eurofighter Typhoon. Hensoldt liefert hierfür das ECRS-Mk1-AESA-Radar. Die neue Technologie wird unter anderem in die 38 neuen deutschen Kampfjets des Quadriga-Programms sowie in 20 spanische Maschinen im Rahmen des Halcón-Projekts integriert. Tests für diese Systeme laufen bereits seit Anfang Juni.
Hensoldt-CEO Döhre betonte in diesem Zusammenhang, dass der aktuelle Auftragsbestand die gestiegenen Verteidigungsausgaben der europäischen Partner deutlich widerspiegele. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, die sogenannte Book-to-Bill-Ratio, stieg auf einen Wert von 2,4. Im Vorjahreszeitraum hatte diese Kennzahl noch bei 1,5 gelegen. Parallel dazu erhöhte sich der Halbjahresumsatz von 944 Millionen Euro auf nun 1,2 Milliarden Euro.
Deutsche Industrie meldet historischen Auftragsberg
Die Wachstumszahlen von Hensoldt decken sich mit aktuellen Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zur Lage der deutschen Industrie. Demnach erreichte der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im Juli ein neues Allzeithoch seit Beginn der Datenerhebung.
Besonders stark wirkte hierbei der Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus, der neben dem zivilen Luft- und Schiffsbau auch Militärfahrzeuge umfasst. Die Reichweite der vorhandenen Aufträge in der Industrie liegt im Schnitt bei neun Monaten.
Trotz der operativen Erfolge zeigt sich die Börse aktuell zurückhaltend. Die Aktie beendete den gestrigen Handel bei 77,32 Euro. Damit weist das Papier mit einer Marktkapitalisierung von 8,92 Milliarden Euro derzeit einen Abstand von 34 Prozent zu seinem 52-Wochen-Hoch auf.
Analysten blicken dennoch zuversichtlich auf das Gesamtjahr. Für das Geschäftsjahr 2026 wird im Marktkonsens ein Gewinn je Aktie von 1,83 Euro erwartet.
Ausblick auf das dritte Quartal
Für Anleger richtet sich der Blick nun auf den kommenden Herbst. Hensoldt plant die Veröffentlichung der Bilanz für das dritte Quartal. Während die zivile Wirtschaft, etwa die Automobilindustrie, zuletzt unter einer Investitionszurückhaltung litt, bleibt der Sektor für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien durch staatliche Großprojekte gestützt.
Analysten prognostizieren für das laufende Jahr zudem eine Steigerung der Dividende. Während für das Jahr 2025 noch 0,550 Euro ausgeschüttet wurden, rechnen Experten für 2026 mit einer Anhebung auf 0,707 Euro pro Anteilsschein. Die fundamentale Stärke durch den zweistelligen Milliarden-Auftragsbestand bildet hierfür die finanzielle Basis.
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