Rekordauftragseingang trifft auf enttäuschende Marge. Bei Hensoldt entzweit diese Kombination die Analysten – und sorgt an der Börse für ein Auf und Ab. Nach dem Kursrutsch infolge der Halbjahreszahlen macht das Papier des Rüstungselektronik-Konzerns nun weiter Boden gut.
Am Mittwoch steigt die Aktie um 2,35 Prozent auf 89,62 Euro. Damit nähert sich Hensoldt wieder der 90-Euro-Marke. Über 30 Tage steht ein Plus von rund 12 Prozent zu Buche.
Starke Zahlen, aber eine Marge verfehlt die Erwartung
Der Kurs war nach den am 31. Juli veröffentlichten Halbjahreszahlen zunächst deutlich unter Druck geraten. Auslöser der Skepsis war vor allem die Marge. Sie blieb knapp unter den Erwartungen des Marktes.
Operativ lieferte Hensoldt dagegen ein starkes Bild. Der Auftragseingang verdoppelte sich im ersten Halbjahr 2026 auf 2,81 Milliarden Euro. Analysten hatten nur mit rund 1,23 Milliarden Euro gerechnet.
Der Auftragsbestand kletterte parallel auf ein Rekordhoch von über 10 Milliarden Euro. Beim Umsatz legte der Konzern um knapp 24 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu und übertraf damit die Konsensschätzung leicht. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Management die Prognose von rund 2,75 Milliarden Euro Umsatz.
Beim bereinigten EBITDA reichte es dagegen nicht ganz. Mit 137 Millionen Euro nach 107 Millionen Euro im Vorjahr verfehlte Hensoldt die erwarteten 139 Millionen Euro knapp. Die Marge verbesserte sich immerhin leicht.
Analysten uneins über weiteres Potenzial
Die Reaktionen der Analysten fallen gespalten aus. JPMorgan-Analyst David Perry bewertet die Aktie weiterhin mit Neutral. Er bezeichnet Hensoldt als das am höchsten bewertete Rüstungsunternehmen in seinem Analyseuniversum und sieht bei anderen deutschen Werten mehr Aufwärtspotenzial.
Warburg Research und Jefferies stufen die Aktie dagegen weiterhin mit Kaufen ein. Auch bei den Kurszielen zeigt sich die Spannbreite: mwb Research hält die Bewertung für zu ambitioniert und bleibt bei einem Verkaufsrating mit Kursziel 62 Euro. DZ Bank sieht das Papier dagegen weiterhin als Kauf, mit einem unveränderten Kursziel von 90 Euro.
Die kritischeren Stimmen argumentieren, der Markt preise bereits ein sehr langfristiges Wachstumsszenario ein. Das sei schwer zu rechtfertigen – auch wenn der Rekord-Auftragsbestand die Umsatzentwicklung bis 2028 absichert.
Rekordauftragsbestand als Rückgrat des Investment Case
Auf der Konferenzschalte zu den Zahlen betonte das Management, die Nachfrage im europäischen Verteidigungssektor übersteige mittlerweile die verfügbaren Kapazitäten. Als Treiber nannte Hensoldt unter anderem Programme rund um die Fahrzeugsysteme Puma und Schakal sowie Bestellungen für das Eurofighter-Radarsystem ECRS Mk1 und das Mephisto-Programm.
Zusätzlich verwies das Unternehmen auf den NATO-Gipfel in Ankara. Dort bekräftigten die Mitgliedsstaaten mehrjährige Verteidigungsinvestitionszyklen – für Hensoldt eine strategische Rückenstärkung.
Zum 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen der Aktie aktuell noch rund 24 Prozent. Wie nachhaltig die aktuelle Erholung ist, hängt davon ab, wie der Markt die Diskrepanz zwischen Rekord-Auftragseingang und schwächerer Marge in den kommenden Wochen gewichtet.
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