Hensoldt hat am 31. Juli Rekordzahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 24 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.
Das bereinigte EBITDA wuchs sogar noch stärker: um 29 Prozent auf 137 Millionen Euro. Treiber war die anhaltend hohe Nachfrage nach Radar-, Luftverteidigungs-, Panzerfahrzeug- und Software-Defined-Defence-Systemen.
Auftragseingang verdoppelt sich, Prognose bestätigt
Noch deutlicher fiel der Sprung beim Auftragseingang aus. Er verdoppelte sich auf 2,81 Milliarden Euro, nach 1,41 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.
Damit übertraf Hensoldt die Markterwartung von rund 1,23 Milliarden Euro deutlich. Der Auftragsbestand kletterte parallel auf ein Rekordhoch von über 10 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr bestätigte der Rüstungselektronikkonzern seine Prognose: Umsatz von etwa 2,7 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent. Hinzu kommen eine Cash Conversion von rund 50 Prozent und ein Leverage von etwa 1,5.
Kurs pendelt trotz starker Zahlen
Trotz der Übertreffung der Erwartungen fiel der Kurs zunächst. Anleger richteten den Blick auf die Kommentare des Managements zum zweiten Halbjahr: Das Umsatzwachstum dürfte nachlassen, weil durchlaufende Umsätze abnehmen und einmalige Effekte aus 2025 nicht wiederkehren.
Am Markt hat sich das Bild seither wieder aufgehellt. Am Freitag schloss die Aktie bei 90,50 Euro, ein Plus von 1,09 Prozent, nach einem Anstieg von 13,18 Prozent auf Wochensicht. Vom Rekordhoch bei 117,70 Euro vom 6. Oktober 2025 trennen das Papier aber weiterhin rund 23 Prozent.
Bosch-Kooperation und Stellenausbau
Parallel zu den Zahlen kündigte Hensoldt am Dienstag zusammen mit der Robert Bosch GmbH ein neues Entwicklungszentrum an. In Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart soll bis Ende des Jahres ein Ingenieurszentrum entstehen, das bis Ende 2027 rund 300 Stellen aufbauen soll. Im Mittelpunkt stehen Software-Architekturen für vernetzte, updatefähige Verteidigungssysteme.
Hensoldt-CEO Oliver Dörre begründete den Schritt: „Software-Defined Defence erfordert leistungsstarke Software- und Datenarchitekturen, die flexibel in komplexe und souveräne Verteidigungssysteme integriert werden können.“ Bosch habe in den vergangenen Jahren „herausragende Kompetenzen im Bereich Software Engineering aufgebaut“, so Dörre weiter – diese Expertise wolle man gezielt für den neuen Standort nutzen.
Der Personalaufbau reicht über Leinfelden-Echterdingen hinaus. Nach rund 1.200 Neueinstellungen im Jahr 2025 plant Hensoldt für 2026 weitere 1.600 zusätzliche Stellen. Von dem Ausbau profitieren auch bestehende Standorte wie Ulm, Oberkochen/Aalen und Immenstaad.
Analysten uneins über weiteres Potenzial
Am Markt für Verteidigungswerte bleibt die Diskussion über die Bewertung lebhaft. JPMorgan hob das Kursziel am Mittwoch von 85 auf 100 Euro an, beließ die Einstufung aber auf „Neutral“. Analyst David Perry verwies auf Gespräche mit Investoren, die für Rüstungsunternehmen mit Produkten für die „Zukunft der Kriegsführung“ und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen tiefer in die Tasche griffen – dazu zähle auch Hensoldt.
Jefferies zog am selben Tag die Reißleine bei der Einstufung, nicht aber beim Kursziel: Das Haus stufte die Aktie von Buy auf Hold zurück, erhöhte die Zielmarke jedoch von 94 auf 98 Euro. Analyst Ben Brown bewertet die Fundamentaldaten weiterhin positiv, sieht aber wegen des nahezu rekordhohen Bewertungsaufschlags gegenüber dem europäischen Verteidigungssektor ein ausgewogeneres Risiko-Ertrags-Verhältnis. Wichtige Kursimpulse erwartet er eher gegen Jahresende. Weitere Häuser bleiben optimistischer gestimmt: Die Kurszielspanne der Analysten reicht inzwischen bis 100 Euro, bei überwiegend positiver Grundtendenz für den Rüstungselektronikkonzern.
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