Hensoldt hat im ersten Halbjahr 2026 einen Auftragseingang von 2.812 Millionen Euro verbucht – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum mit 1.405 Millionen Euro. Der Rüstungselektronik-Konzern veröffentlichte die Zahlen am Dienstag vergangener Woche und bestätigte damit den Wachstumskurs, der die Aktie seit Wochen antreibt. Der Auftragsbestand überschritt im gleichen Zeitraum erstmals die Marke von 10 Milliarden Euro.
Umsatz und operative Kennzahlen ziehen deutlich an
Der Konzernumsatz kletterte im ersten Halbjahr auf 1.167 Millionen Euro, ein Plus von 23,6 Prozent gegenüber den 944 Millionen Euro im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA wuchs mit 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro noch stärker als der Umsatz.
Auch der operative Cashflow drehte im zweiten Quartal von minus 48 Millionen Euro auf plus 21 Millionen Euro – Kundenanzahlungen stützten dabei die Entwicklung des Betriebskapitals.
Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Hensoldt die Prognose: Der Konzernumsatz soll rund 2.750 Millionen Euro erreichen, das Book-to-Bill-Verhältnis zwischen 1,5 und 2,0 liegen und die bereinigte EBITDA-Marge sich in einer Spanne von 18,5 bis 19,0 Prozent bewegen.
Nicht alle Programme liefen dabei reibungslos: Das Fregattenprogramm F126 wurde beendet, laut Unternehmensangaben mit begrenzten finanziellen Folgen bei einem betroffenen Auftragsvolumen von rund 200 Millionen Euro.
Optronics und Sensors treiben das Wachstum
Besonders kräftig legte das Segment Optronics zu: Der Auftragseingang stieg von 164 Millionen Euro im Vorjahr auf 971 Millionen Euro. Großaufträge für den Schützenpanzer Puma und den Radschützenpanzer Schakal mit digitaler Optronik lieferten dafür die Basis. Im Segment Sensors wuchs der Auftragseingang um 57,6 Prozent auf 1.979 Millionen Euro, getragen unter anderem von Vertragserweiterungen für Eurofighter-Radare und TRML-4D-Radare.
Parallel zu den Zahlen kündigte Hensoldt am 5. August eine neue Entwicklungskooperation mit Bosch an. Geplant ist ein Ingenieurszentrum in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart mit rund 300 Stellen bis Ende 2027. Der Fokus liegt auf Software-Architekturen für vernetzte, updatefähige Verteidigungssysteme – ein Hinweis darauf, dass Hensoldt seine technologische Basis über die Hardware hinaus ausbauen will.
Analysten uneins über weiteres Potenzial
Die Reaktionen der Analysten auf die Zahlen fielen unterschiedlich aus. Jefferies stufte Hensoldt am 5. August von Buy auf Hold ab, hob zugleich aber das Kursziel von 94 auf 98 Euro an – ein Signal, dass die Bewertung nach der jüngsten Rally aus Sicht der Analysten ausgereizt erscheint, das Wachstumspotenzial des Unternehmens selbst aber intakt bleibt.
Warburg Research kam am 6. August zu einem gegenteiligen Schluss: Analyst Christian Cohrs erhöhte das Kursziel von 91 auf 94 Euro und bestätigte seine Kaufempfehlung.
Die Aktie notiert aktuell bei 91,26 Euro, ein Plus von 0,66 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag bei 90,66 Euro. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier um 22,73 Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 24,33 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro vom 6. Oktober 2025 fehlen dem Kurs noch 22,46 Prozent. Mit einem RSI von 69,8 nähert sich der Wert der Schwelle, ab der Marktbeobachter üblicherweise von einer überkauften Situation sprechen.
Die operative Entwicklung liefert nach den Halbjahreszahlen ein solides Fundament: verdoppelter Auftragseingang, ein historischer Auftragsbestand und eine bestätigte Jahresprognose sprechen für den fortgesetzten Wachstumskurs.
Ob die Bewertung nach dem Kurssprung der vergangenen Wochen weiteren Spielraum bietet, bleibt unter den Analysten umstritten – die Spanne der jüngsten Kursziele zwischen 94 und 98 Euro markiert dabei die Bandbreite der Einschätzungen.
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