Hensoldt meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Rekordwert: Der Auftragsbestand des Rüstungselektronik-Herstellers überstieg erstmals die Schwelle von 10 Milliarden Euro. Zum Stichtag lag er bei 10,4 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am 31. Juli mitteilte. Der Auftragseingang verdoppelte sich im Halbjahresvergleich auf 2,8 Milliarden Euro, im zweiten Quartal allein legte er laut Unternehmensangaben um 89 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro zu.
Parallel zur Auftragsdynamik wuchs auch das operative Geschäft kräftig. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 23,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro.
Im zweiten Quartal für sich genommen kletterte der Umsatz um 22 Prozent auf 671 Millionen Euro bei einem bereinigten EBITDA von 93 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Hensoldt seine Prognose: Der Umsatz soll auf rund 2,75 Milliarden Euro zulegen, die bereinigte EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent liegen.
Großaufträge treiben das Wachstum
Getragen wird der Auftragsschub laut Handelsblatt von Großaufträgen für Eurofighter-Radare, TRML-4D-Flugabwehrradare sowie Optroniksysteme für die Fahrzeuge Puma und Schakal. Ergänzend baut Hensoldt seine Kapazitäten aus: Nahe Stuttgart ist ein neues Entwicklungszentrum geplant, im März hatte das Unternehmen bereits den niederländischen Optronik-Spezialisten Nedinsco übernommen, um Lieferketten abzusichern und Fertigungskapazitäten zu erweitern.
Nicht jedes Programm läuft ungebremst weiter: Das Fregattenprogramm F126 mit einem Auftragsvolumen von rund 200 Millionen Euro wurde beendet. Hensoldt sieht dort jedoch Chancen auf eine zweite Tranche im Rahmen des MEKO-200-Programms, sodass der Rückschlag operativ verkraftbar erscheint.
Großaktionär Leonardo hält an Beteiligung fest
Auf der Eigentümerseite bestätigte der italienische Rüstungskonzern Leonardo im Juli, seine Hensoldt-Beteiligung trotz einer nach einer Kapitalerhöhung verwässerten Quote von 22,8 Prozent beizubehalten, wie Aviation Week berichtete. Das Signal wiegt angesichts der Wachstumsdynamik: Ein strategischer Ankerinvestor, der trotz Verwässerung an Bord bleibt, unterstreicht das Vertrauen in die mittelfristige Ausrichtung des Unternehmens.
Auch aus dem eigenen Management kamen im Juni positive Signale. Vorstandschef Oliver Dörre kaufte im Zeitraum vom 22. bis 26. Juni mehrfach Aktien zu Kursen zwischen 63,46 und 69,50 Euro, Vorstandsmitglied Inka Tews erwarb ebenfalls Anteile zu ähnlichen Kursniveaus. Solche Käufe fielen in eine Phase deutlich niedrigerer Notierungen als heute.
Kurs nahe Rekordniveau, Bewertung bleibt Thema
Die Aktie notiert aktuell bei 95,48 Euro und damit rund 19 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro, das Anfang Oktober markiert wurde. Zugleich hat sich das Papier seit Jahresbeginn um 30 Prozent verteuert – ein Ausdruck davon, wie stark die operative Entwicklung die Marktbewertung stützt.
Warburg Research hob am 6. August das Kursziel von 91 auf 94 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Christian Cohrs begründete den Schritt mit der robusten Auftragslage. Angesichts des seither weiter gestiegenen Kurses dürfte diese Einschätzung inzwischen überholt sein – ein Beleg dafür, wie schnell sich die fundamentale Basis bei Hensoldt derzeit verändert.
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