Starke Auftragsbücher, schwacher Kurs — Hensoldt kämpft gerade mit einem klassischen Glaubwürdigkeitsproblem. Der Rüstungselektronik-Spezialist schickt seinen Vorstand diese Woche auf eine dreitägige Investoren-Roadshow durch Europa. Das Ziel: erklären, warum die Börse das Unternehmen falsch bewertet.
Drei Konferenzen, eine Botschaft
Der Terminkalender ist eng. Den Auftakt machte am Montag die Deutsche Bank Defence Conference in London. Heute folgt Mailand mit der Mediobanca-Konferenz. Den Abschluss bildet am Mittwoch die Jefferies-Konferenz in Baden-Baden.
Inhaltlich dreht sich alles um die Transformation zum „Neo-Systemhaus“. Hensoldt will nicht länger als reiner Hardware-Zulieferer wahrgenommen werden. Der Konzern setzt auf softwarebasierte Verteidigungslösungen und Künstliche Intelligenz. Herzstück ist das neue „Battle Lab“, das Sensordaten in Echtzeit zu einem digitalen Lagebild bündelt.
Verbesserte Cashflow-Prognose als Hauptargument
Finanziell hat Hensoldt zuletzt nachgelegt. Die Prognose für die bereinigte Free-Cashflow-Conversion 2026 stieg von 40 auf rund 50 Prozent des bereinigten EBITDA. Treiber sind beschleunigte Beschaffungsprozesse und höhere Kundenanzahlungen. Der Auftragsbestand liegt bei rund 9,8 Milliarden Euro — ein Rekordwert.
Der Markt honoriert das bislang nicht. Die Aktie schloss gestern bei 69,10 Euro und hat in den vergangenen 30 Tagen gut 22 Prozent verloren. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp zehn Prozent.
RSI nähert sich überverkaufter Zone
Charttechnisch ist die Lage angespannt. Der Kurs liegt rund zwölf Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und mehr als 16 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI auf 14-Tage-Basis notiert bei 32,8 — knapp über der Marke von 30, die als überverkauft gilt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 51 Prozent.
Kein Wunder, dass institutionelle Investoren genauer hinschauen wollen.
Zusätzlichen Rückenwind könnte die Partnerschaft mit dem ukrainischen Unternehmen Fire Point liefern. Gemeinsam entwickeln beide das Raketenabwehrsystem „FREYJA“ — ein Projekt, das Hensoldts Relevanz im aktuellen geopolitischen Umfeld unterstreicht.
Den eigentlichen Stresstest liefert der 31. Juli 2026. Dann veröffentlicht Hensoldt seinen Halbjahresbericht. Konkrete Zahlen zur Cashflow-Entwicklung und zu den Margen werden zeigen, ob die operative Stärke tatsächlich in der Bilanz ankommt — und ob die Roadshow-Argumente belastbar waren.
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