Hensoldt bleibt nach einem außergewöhnlichen Auftragssprung im zweiten Quartal im Fokus der Analysten. Die Deutsche Bank Research hob am Donnerstag ihr Kursziel für den Rüstungselektronik-Konzern von 101 auf 105 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Am Freitag legte die Aktie um 3,6 Prozent zu und schloss bei 95,72 Euro.
Rekordauftragsbestand als Basis der Analystenzuversicht
Grundlage der Anhebung sind die Ende Juli veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal. Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 671 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA erreichte 93 Millionen Euro.
Besonders auffällig entwickelte sich der Auftragseingang: Er kletterte um 89 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro. In der Folge wuchs der Auftragsbestand auf einen historischen Höchststand von 10,4 Milliarden Euro – ein Polster, das Hensoldt über Jahre hinweg Umsatzsichtbarkeit verschafft.
Warburg Research äußerte sich in der vergangenen Woche vorsichtiger zur Nachhaltigkeit der Wachstumsraten. Analyst Christian Cohrs wertete die außergewöhnlichen Effekte im zweiten Quartal als vorübergehend, hob sein Kursziel aber dennoch an. Diese Einschätzung deutet darauf hin, dass Anleger die Rekordzahlen nicht unbesehen fortschreiben sollten, auch wenn der grundsätzliche Wachstumstrend intakt bleibt.
Rally treibt Bewertung auf neues Niveau
Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen unterstreicht, wie stark der Markt die Nachrichtenlage honoriert hat: Binnen 30 Tagen legte die Aktie um 30 Prozent zu, seit Jahresbeginn steht ebenfalls ein Plus von 30 Prozent zu Buche. Diese Dynamik hat die Marktkapitalisierung von Hensoldt auf 10,75 Milliarden Euro getrieben und den Titel spürbar von seinem bisherigen Jahrestief entfernt, das im Juni bei 63,12 Euro markiert wurde.
Trotz der jüngsten Stärke notiert die Aktie noch unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro, das Anfang Oktober erreicht wurde – Luft nach oben besteht demnach rein rechnerisch, sofern die operative Dynamik anhält.
Branchenrückenwind aus Europa
Die Rüstungsbranche insgesamt profitierte zuletzt von politischen Entwicklungen. Übernahmevorhaben in Frankreich sorgten laut dpa-AFX für zusätzlichen Auftrieb im Sektor, während sich die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine schwierig gestalten.
Zudem steht ein NATO-Gipfel in Ankara bevor, bei dem milliardenschwere Militärhilfen für die Ukraine in Aussicht gestellt werden. Diese geopolitische Gemengelage stützt die Investitionsthese für europäische Verteidigungswerte grundsätzlich, auch wenn sie für Hensoldt selbst kein unternehmensspezifisches Ereignis darstellt.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob der Rekordauftragsbestand von 10,4 Milliarden Euro tatsächlich die aktuelle Bewertung rechtfertigt oder ob die Rally bereits einen Großteil der künftigen Wachstumsfantasie vorweggenommen hat. Die Deutsche Bank beantwortet diese Frage mit ihrem angehobenen Kursziel klar positiv, während Warburg Research zur Vorsicht bei der Extrapolation der Quartalsdynamik mahnt.
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