Hensoldt hat bei der Bundeswehr-Übung „Timber Express 2026″ gemeinsam mit Rheinmetall Air Defence gezeigt, wie sich passive Radartechnik in moderne Führungssysteme integrieren lässt.
Am vergangenen Mittwoch demonstrierten beide Unternehmen die Einbindung des Passivradars Twinvis in das Skymaster-Führungssystem von Rheinmetall. Das System soll unter NATO-Bedingungen eine vernetzte Luftverteidigung ermöglichen, bei der mehrere Sensoren und Effektoren zusammenspielen.
Die Übung fügt sich in eine Serie von Nachrichten, die Hensoldts Rolle als Sensorik-Spezialist im europäischen Verteidigungssektor unterstreichen. Der Passivradar Twinvis gilt als Beitrag zu einer Aufklärungsfähigkeit, die ohne eigene Signalabstrahlung funktioniert und damit schwerer zu orten ist als klassische Radarsysteme.
Für die Bundeswehr und NATO-Partner ist die Interoperabilität verschiedener Systeme ein zentrales Anliegen, an dem Hensoldt mit diesem Projekt direkt ansetzt.
Auftragsbestand erreicht Rekordniveau
Im Hintergrund der Demonstration steht ein deutlich verändertes Geschäftsbild. Der Auftragseingang von Hensoldt hat sich im ersten Halbjahr 2026 auf 2,81 Milliarden Euro verdoppelt, der Auftragsbestand kletterte auf einen Rekordwert von 10,36 Milliarden Euro. Analysten sehen darin ein Zeichen für die anhaltende Dynamik, die von der europäischen Aufrüstung der Verteidigungshaushalte ausgeht.
Vor gut drei Wochen hatte das Unternehmen bereits Zahlen vorgelegt, die diesen Trend bestätigten: Der Umsatz stieg um 24 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA legte um 29 Prozent auf 137 Millionen Euro zu. Trotz des Wegfalls des F126-Fregattenprogramms bekräftigte Hensoldt die Jahresprognose von rund 2,75 Milliarden Euro Umsatz.
Die Kombination aus operativen Zahlen und dem nun demonstrierten Technologievorsprung bei vernetzter Sensorik zeigt, worauf Investoren aktuell schauen: Nicht nur auf die reinen Wachstumsraten, sondern auf die Frage, wie gut Hensoldt seine Produkte in größere Verteidigungsarchitekturen einbinden kann.
Kritische Stimmen bleiben
Nicht alle Marktbeobachter teilen den Optimismus. Das Analysehaus mwb research hatte bereits im Juli seine „Sell“-Einstufung mit einem Kursziel von 62,00 Euro versehen und dabei die Abhängigkeit von Fahrzeugprogrammen sowie den aus seiner Sicht geringen Anteil softwaredefinierter Verteidigungslösungen kritisiert – trotz eines nach eigener Aussage „sauberen“ Auftragsbestands aus fest vertraglich gebundenen Orders.
Demgegenüber hatte Christophe Menard von der Deutsche Bank Research vor gut drei Wochen nach Vorlage der Halbjahreszahlen sein Kursziel von 101,00 auf 105,00 Euro angehoben und die Einstufung „Buy“ belassen, mit Verweis auf mögliches Aufwärtspotenzial für die Jahresziele im zweiten Halbjahr.
Die Hensoldt-Aktie notiert aktuell bei 87,32 Euro und hat sich damit deutlich vom 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro im Oktober entfernt, liegt aber klar über dem 52-Wochen-Tief von 63,12 Euro.
Über die vergangene Woche verzeichnete das Papier einen Rückgang von 6,7 Prozent, während es auf Sicht von 30 Tagen um 5,4 Prozent zulegte – ein Bild, das die Schwankungsbreite widerspiegelt, mit der der Markt die Mischung aus Wachstumsstory und Bewertungsfragen aktuell handelt.
Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick auf die maritime Fachmesse SMM 2026 in Hamburg, an der Hensoldt vom 1. bis 4. September teilnehmen wird. Dort dürfte das Unternehmen weitere Sensorik- und Aufklärungslösungen präsentieren, die an die jüngste Demonstration der Luftverteidigungsvernetzung anknüpfen.
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